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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-11-01 · 5 (November 1929) · page 20

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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gegeben. Vielmehr zeigt eine nähere Untersuchung, daß die Frauen nicht nur in der Entlohnung, sondern auch in der Stellung im Beruf (selbständig oder unselbständig) oder in der Arbeit (gehobene oder ungelernte Arbeit) den Männern keineswegs gleichgestellt sind. Es waren von der Gesamtzahl der Erwerbstätigen: absolut % Selbständige .... 5,538.497 17,1 Angestellte u. Beamte 5,273.774 16,5 Arbeiter...... 14,433.751 45,4 Mithelfende Familienangehörige 5,437.229 17,0 Hausangestellte . . . 1,325.588 4,0 32,008.839 100,0 Davon waren erwerbstätige Frauen: absolut % Selbständige . . . 1,093.135 9 Angestellte u. Beamte 1,437.528 12 Arbeiterinnen . . . 3,503.824 31 Mithelfende Familienangehörige 4,132.958 36 Hausangestellte . . 1,3io*qg 1? 11,477.884 100,0 Diese Zahlen besagen, daß der Anteil der Frauenarbeit in der Wirtschaft fast zur Hälfte (36 + 12 48%) Mithilfe in der Familie entweder als Hausangestellte oder als Familienmitglied in der Landwirtschaft oder in Kleinbetrieben ist. Diese Arbeit ist aber die unselbständigste von allen. Sie bietet keine Aufstiegsmöglichkeiten und erfolgt unter den schlechtesten Lohn- und Arbeitsbedingungen. Dabei sind ca. 3% Millionen Frauen, die in der Landwirtschaft mithelfen (also fast ein Drittel der erwerbstätigen Frauen) mit sehr schwerer, durchaus nicht „spezifisch weiblicher44 Arbeit belastet. Rund 5 Millionen Frauen arbeiten in der Landwirtschaft überhaupt (die Frau ist also in Deutschland viel stärker al* der Mann agrarisch tätig, Durchschnitt 30%, Frauen ca. 50%). Von diesen 5 Millionen sind aber nur 325 499 (= 6,5%) selbständig. Die Frau ist also von leitenden Stellungen so gut wie ausgeschlossen. Vielmehr ist sie fast ausschließlich mit schwerer und allerschwerster Arbeit beschäftigt. Die Sachlage, daß die Frau in den günstigen Berufsstellungen prozentual schwächer vertreten ist als der Mann, wiederholt sich mit völliger Begelmäßigkeit. Während im allgemeinen die Gruppe der ausgesprochen unqualifizierten Arbeiter nur etwa ein Drittel der gewerblichen Arbeiterschaft umfaßt, gehört ihr von den Frauen mehr als die Hälfte an. Zwar waren in Industrie und Gewerbe 430.787 Frauen selbständig tätig, davon waren jedoch fast die Hälfte (189.299) Hausgewerbetreibende, also Heimarbeiterinnen. Diese bilden aber die schlechtest gestellte wirtschaftliche Schicht. 335.205 Frauen waren Angestellte, davon aber 319.251 kaufmännische Angestellte, also in den ungünstigen Angestelltenkategorien der Verkäuferin und Bureauangestellten, nicht in gehobenen Stellungen. Von 1,959.454 Arbeiterinnen sind 1,024.091 „übrige Arbeiterinnen44 (d. h. weder Arbeiterinnen in charakteristischen Berufen, noch in handwerklichen oder Hilfsberufen, also in der Regel ungelernte Arbeiterinnen. Die Zahl der mithelfenden Familienangehörigen betrug in Industrie und Handwerk 183.1U), in Handel und Verkehr 361.583. In den anderen Berufsgruppen gehobener Art, namentlich in der ganzen Kategorie der öffentlichen Dienste (Verwaltung, Heerwesen, Kirche) verschwinden die Frauen fast ganz. Von VA Millionen sind nur rund 293.0C0, also rund ein Fünftel Frauen, wohl vorwiegend Lehrerinnen und Bureauangestellte. Dagegen ist der Frauenanteil sehr stark im Gesundheits- und Wohlfahrtswesen. Von 588.000 sind 295.000, also die reichliche Hälfte, Frauen. Kranken- und Fürsorgeschwestern stellen hier mit 153.000 mehr als zwei Drittel der Angestellten. Vollkommen aber, mit 98,8 Prozent, beherrschen die Frauen das, was die Statistik häusliche Dienste und wechselnde Lohnarbeit nennt. Es sind nicht nur die 1,3 Millionen dar Hausangestellten und Aufwartefrauen, sondern außerdem sind noch über 100.000 andere Frauen auf diese schlechten und ungesicherten Existenzmöglichkeiten angewiesen. Die ungünstige Berufslage der Frauen wird durch die Konkurrenz der Männer noch erheblich verschlechtert. In manchen Gewerben, beispielsweise in bestimmten graphischen Berufen, werden Frauen überhaupt nicht zugelassen. In den meisten Berufen wendet sich aber der Abwehrkampf vor allem gegen die 116

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