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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-10-01 · 4 (Oktober 1929) · page 31

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
4 (Oktober 1929)
Date
1929-10-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Handlungen beschäftigen sich mit speziellen Fragen der Nationalökonomie, wie Ausländsanleihen (Referat Bonn, Berlin) und Kredit und Konjunktur (Referat Eucken, Freiburg). Die außerordentlich stark beschickte Tagung der A f a - Gewer k'Schaftsverbände, ein Beweis für die steigende Bedeutung dieser Gewerkschaftsrichtung, beschäftigte sich im wesentlichen mit der Situation der Angestelltenschaft, ihrer Lage im Wirtschaftsprozeß und ihrer Bedeutung innerhalb des Gesamtproletariats. Während der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Thomas „Die Stellung des Angestellten in der Industrie der Nachkriegszeit" behandelte und an internationalen Ziffern eine starke Steigerung der Angestelltenschaft im Vergleich zur Vorkriegszeit feststellte (z. B. Dänemark 1911—1921 um 100 Prozent, England 1907—1924 um 56 Prozent, Deutschland 12 Prozent, im Vergleich zur Entwicklung der Arbeiterschaft: Dänemark um 33 Prozent England 7 Prozent, Amerika Angestelltenschaf't 83 Prozent und Arbeiterschaft 38 Prozent), beschränkte sich Dr. S u h r in einem ganz ausgezeichneten und ungewöhnlich fundierten Referate auf die „Angestellten in d e >r deutschen WT i r t s c h a f t". Während in den letzten 50 Jahren die Arbeiterschaft im Rahmen der erwerbstätigen Bevölkerung zurückgeht, hat sich das Heer der Angestellten mehr als verzehnfacht (1882 ca. 300.000, heute mehr als 3/4 Millionen). Das ist auf einen Wandel der Funktion der Angestellten zurückzuführen. Je stärker die Rationalisierung fortschreitet, desto mehr wird ein wesentlicher Teil der Produktionstätigkeit aus dem Betriebe in das Büro verlegt. Früher unbekannte Berufe sind neu entstanden. In den Hoheitsverwaltungen, Sozialinstituten, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft ist die Zahl der Angestellten gestiegen. Relativ am stärksten in den industriellen Großunternehmungen, so daß Dr. Suhr zu dem Ergebnis kommt, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo die Zahl der Industrieangestellten größer sein wird als die Zahl der Handelsangestellten. Und zwar je rationalisierter ein Betrieb ist, je stärker die motorische Kraftleistung ist, desto größer die Zahl der Angestellten. Die bisherigen Angestelltengruppen dürften sich dadurch stark verschieben: Kaufmännische Angestellte 2,290.000 65% Technische Angestellte 270.000= 8% Werkmeister 220.000= 6% Büro- und sonstige Angestellte 720.000 21 % Mit der Wandlung der Angestelltenschaft ist keine Individualisierung verbunden, sondern durch Einführung von Büromaschinen (vgl. Bankgewerbe) und Typisierung der Arbeit eine starke Mechanisierung des Arbeitsprozesses, der immer stärker der Angestelltenschaft proletarische Züge aufdrückt. Die Angestelltenschaft reproduzierte in den kurzen Jahren 1925—29 den Entwicklungsprozeß des Industrieproletariats in seiner typischen Fo»rm, nämlich in dem Entstehen einer industriellen Reservearmee der Angestellten. Während in den letzten fünfzig Jahren die Angestelltenschaft sich progressiv mit der Akkumulation des Kapitals entwickelte und innerhalb dieses Prozesses ihre Verwendung fand, konstatieren wir heute eine ständige Massenarbeitslosigkeit der Angestellten (vgl. das Problem der älteren Angestellten). — Prof. Lederer, Heidelberg hat dann in einem Sonderreferat (Umschichtung des Proletariats) versucht, diese Entwicklung ideologisch zu fundieren. Zur Verhandlung kamen weiterhin das Angestelltenrecht der Seeleute (Richard Freese), Fragen des modernen Genossenschaftswesens (Paul Lange) und Wohnungsfragen (Richard Linnecke). Kr. Hoenig er -Schultz -W e h r 1 e, Jahrbuch des Arbeitsrechts und der damit zusammenhängenden Teile der Sozialökonomik. 9. Band 1929. Verlag J. Bensheimer, Mannheim. Das Jahrbuch enthält eine systematische Uebersicht über das Schrifttum, die Rechtsprechung und die Verwaltungspraxis im Jahre 1928. Wichtige Bucherscheinungen sind kurz kommentiert, Zeitschriftenliteratur in Auslese herangezogen, die Rechtsprechung in Urteilsauszügen berücksichtigt. Trotz der übersichtlichen Anordnung des Werkes nach den verschiedenen arbeitsrechtlichen Gebieten bleibt sein praktischer Anwendungswert fraglich. Für den Laien sind die 95

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