Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 4 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Museum in Chicago ausgestellt und haben großen Beifall gefunden. Eine Quelle dauernder Freude bildet das Theater sowohl für die Darsteller wie für die Zuschauer. Tragische und komische Stücke werden mit gleicher Liebe vorbereitet und aufgeführt. Die Darsteller werden nicht bezahlt, sondern der Ertrag wird zur Verbesserung des Theaters, zur Anschaffung von Kostümen und Scenerien verwendet. Die Bibliothek im Hull-House wird eifrig besucht. Mit ihr verbunden ist eine Lesehalle, in der internationale Zeitungen und Zeitschriften ausliegen. Das Wesentliche des Settlements und im besonderen des Hull- Houses in Chicago — ist das Bestehen eines offenen Hauses für jeden. Bildung, Vergnügen und Fürsorge wird jedem Besucher nach Bedarf gegeben. Das Settlement bildet ein Zentrum, das sich durch seinen geistigen Hochstand einer allgemeinen Beliebtheit und Anerkennung erfreut. Wichtig ist für die Sozialarbeiter wie für die jungen Mitarbeiter aus anderen Berufen das Leben im Armenviertel, das ihnen wirkliches Verständnis für die großen und kleinen Nöte des Volkes vermitteln kann. Miß Addams war die Erste, die diese Notwendigkeit als Voraussetzung für das Vertrautwerden von Sozialarbeitern und Hilfesuchenden erkannte. Sie demonstrierte durch die Schaffung des Hull-Houses Nachbarhilfe, d. h. praktische Nächstenliebe von Mensch zu Mensch. Noch heute wendet sie sich gegen den modernen Versicherungs-Standpunkt, gegen „das Recht auf Unterstützung." Sie sieht in jeder Fürsorge sowohl für den Fürsorger wie für den Befürsorgten eine große Gefahr, einerseits der Ueberhebung des Sozialarbeiters und andererseits der Unterdrückung des Empfangenden. Das Eigenartige des Hull-Houses ist die gleiche Einstellung aller Bewohner zur sozialen Arbeit, die selbstverständliche Bereitschaft zu helfen, wo es nötig ist. 79