Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 4 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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eine Erklärung, wenn auch die Bedeutung der übrigen Faktoren keineswegs verkannt wird. Für die Urlaubsverhältnisse sind getrennte Erhebungen je nach den Berufsgruppen bei Mewes nicht gemacht worden. Aber auch abgesehen davon verdienen gerade die Untersuchungen über den Urlaub der Jugendlichen sehr große Beachtung: »23 v. H. der jungen Menschen mußten das ganze Jahr tagaus tagein ihre Arbeit verrichten, ohne Gelegenheit zu haben, längere Zeit auszuruhen. Von den übrigen Jugendlichen hatten einen Urlaub: Von 6—8 Tagen.....38 v. H. bis zu 3 Tagen.....16 v. H. Auch für den Arbeitslohn sind leider keine getrennten Erhebungen nach Berufsgruppen vorhanden. Mewes errechnet für das I. Lehrjahr als überwiegend einen Wochenlohn bis zu 4 RM., für das 2. Lehrjahr einen uberwiegenden Wochenlohn zwischen 4 und 7 RM., im 3. Lehrjahr ist die Zahl derer, die 4—7 RM. Lohn erhalten, zwar etwas geringer geworden, enthält aber immer noch den höchsten Prozentsatz, und die Jugendlichen mit einem Wochenlohn von 7—10 RM. sind fast ebenso stark beteiligt. Im 4. Lehrjahr erhalten die meisten Lehrlinge 7—10 RM. Wochenlohn. Gerade aus der Tatsache, daß die Lehrzeit in den kaufmännischen Berufen kürzer und der Anfangslohn höher ist als in den gewerblichen Berufen, erklärt sich u. E. zum Teil die Bevorzugung der kaufmännischen Berufe gegenüber den handwerklichen Berufen bei der jüdischen Jugend. Eine Erfassung der Lebensverhältnisse der jüdischen Jugend müßte sich notwendig auch auf die Gesundheitsverhältnisse erstrecken. Hier lassen sich aber ohne besondere Erhebungen, die zu einem bescheidenen Teil bereits vor Jahren durch den Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände begonnen worden sind, auch nicht einmal mutmaßliche Angaben machen. Die für die gesamte deutsche Jugend in dieser Beziehung von Mewes gemachten Feststellungen dürften auch hier nicht ohne Bedeutung sein: In den Großstädten litten von allen untersuchten Berufsschülern II, 8% an allgemeiner Schwächlichkeit, 1,6% an Erkrankungen des Herz- und Gefäßsystems, 2,6% männliche und 1,6% weibliche Jugendliche an Tuberkulose, 1,6% an sonstigen Erkrankungen der Luftwege und der Lunge. Wir haben bei unserer Schilderung der Lebensverhältnisse der erwerbstätigen jüdischen Jugend und beim Vergleich mit der übrigen deutschen Jugend absichtlich immer nur die äußeren Lebensverhältnisse, Wohnung, Arbeit und Gesundheitszustand berücksichtigt. Die kulturellen und psychologischen Faktoren sind dabei außer Betracht geblieben. Ein Versuch der Erfassung auch dieser Faktoren soll einer späteren Zeit vorbehalten bleiben. 71