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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-10-01 · 4 (Oktober 1929) · page 6

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
4 (Oktober 1929)
Date
1929-10-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Kürschnerei und der Schneiderei, nicht ungünstig: Durch außerordentlich starke Intensivierung der Arbeit werden hier verhältnismäßig hohe Wochenlöhne erzielt, die aber während der Nichtsaison durch regelmäßige Arbeitslosigkeit wieder schnell aufgebraucht werden. Das Schicksal gerade der jugendlichen Arbeiter in der Mchtsaison ist ein schweres, gleichwohl kaum beachtetes Problem. Gerade über die Lage des kaufmännischen Berufes enthält -das Buch von Mewes wichtige Angaben. Die Arbeitszeit im kaufmännischen Beruf ist die lä/ngste aller Berufe. Es gibt keinen freien Sonnabendnachmittag und auch sonst an anderen Wochentagen keine Freizeit in ausreichendem Maße. »Von morgens 8 oder 9 bis abends um 7 Uhr muß gewöhnlich gearbeitet werden. Selbst wenn eine zweistündige Mittagspause die anstrengende Tätigkeit unterbricht, so reicht sie doch in den Großstädten gerade für einen Weg nach Hause aus, damit der Jugendliche das Mittagessen einnehmen kann. Am Abend aber wird der Jugendliche erst gegen V28 Uhr zu Hause sein können. Wenn er dann noch Sport treibt oder an Nestabenden teilnehmen oder auch nur ein Kino aufsuchen will, so wird er in der Regel die dazu notwendige Zeit vom Schlafe abziehen müssen.« Auch die Arbeitslosigkeit trifft die jugendlichen Angestellten im größeren Umfange als die jugendlichen Arbeiter: Von der Gesamtzahl der erwerbslosem Arbeiter waren am 2. Juli 1926 16,9% jugendlich, von der Gesamtzahl der arbeitslosen Angestellten waren 18,8% jugendlich (Mewes S. 13). Vom jüdischen Standpunkt aus ist die Frage des Arbeitsschlusses am Sonnabend nicht ohne Bedeutung. Auch hier ist eine erhebliche Besserstellung der gewerblichen Arbeitnehmer gegenüber den kaufmännischen Angestellten zu beobachten: »Das gewerbliche Personal in den Großbetrieben hatte den frühesten Sonnabendschluß. Etwa 73% der Jugendlichen konnte bis 2 Uhr die Arbeitstätte verlassen und kaum 1% arbeitete länger als bis 7 Uhr abends. Am schlimmsten aber liegen die Verhältnisse bei den kaufmännischen Berufen. Hier handelt es sich meist um die kleineren Ladengeschäfte und die großen Warenhäuser. Etwa 30 v. H. hatten hier bis 2 Uhr Arbeitsschluß, aber noch 21 v. H. nach 7 Uhr a,bends.« Auch die durchschnittliche Länge des Arbeitstages ist für die kaufmännischen Angestellten nicht günstig. Sie wird einschließlich Weg zur Arbeitsstätte Arbeitszeit, Arbeitspausen, AufräumungszeiH nach der Arbeit, Berufsschulstunden außerhalb der Arbeitszeit usw. für einen männlichen Jugendlichen im Angestelltenverhältnis mit 11 Stunden 25 Min. berechnet, in der Metallindustrie dauert der durchschnittliche Arbeitstag 11 St. 10 Min., im Bekleidungsgewerbe 12 Std., im Nahrungs- und Genußmittelgewerbe 13 Std. und 15 Min. Für die weiblichen Jugendlichen ist der durchschnittliche Arbeitstag in den einzelnen Berufsgruppen nicht unwesentlich kürzer, -um allerdings in den häuslichen Diensten die Zeit von 12 Stunden 35 Min. zu erreichen. Die Abneigung auch von jüdischen Jugendlichen gegen den Beruf der Hausangestellten findet hier zum Teil 70

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