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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-10-01 · 4 (Oktober 1929) · page 2

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
4 (Oktober 1929)
Date
1929-10-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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der soeben erschienenen Arbeit von Mewes »Die erwerbstätige Jugend«*) herangezogen werden. Wir unterscheidein oder richtiger: wir bilden drei verschieden© Typen innerhalb der erwerbstätigen jüdischen Jugend Berlins, indem wir sprechem a) von der proletarischen oder halbproletarischen westjüdischen, b) von der proletarischen oder halbproletarischen ostjüdischen und c) vom der bürgerlichen westjüdischen erwerbstätigen Jugend. Die Begriffe proletarisch, halbproletarisch und bürgerlich bedürfen dabei noch einer kurzen Erklärung. Sie sind nicht genommen von der Stellung der einzelnen Menschen innerhalb des Produktionsprozesses, je nachdem, ob der Einzelne im Besitze oder nicht im Besitze der Produktionsmittel ist, sondern vom Standpunkt der Konsumtion: Je nachdem, ob der Lebensstandard des Einzelnen oder seiner Familie auf bezw. unter oder über dem Durchschnittslebensstandard des Arbeiters in Deutschland liegt, sprechen wir in diesem Zusammenhang von proletarischer oder bürgerlicher Jugend. Mit proletarischem oder bürgerlichem Bewußtsein hat diese Scheidung nichts zu tun. Wir werden nunmehr die Lebensverhältnisse der drei Typen, proletarische ostjüdische, proletarische westjüdische und bürgerliche westjüdische Jugend nach einer Reihe von Gesichtspunkten betrachten und beginnen mit einer Charakteristik der Wohnungsverhältnisse. Die proletarische westjüdische Jugend bewohnt mit ihren Familien Kleinwohnungen (ein bis drei Wohnräume), unter einer gewissen Bevorzugung des Nordens und Nordostens Berlins, aber außerhalb der jüdischen Massensiedlung im Zentrum. Es herrscht keine ausgesprochene Wohnraumknappheit, wenn auch der vorhandene Wohnraum für die Entwicklung kultureller Bedürfnisse nicht ausreicht. Die geringe Größe der Familien läßt, von Ausnahmen abgesehen, die Wohnverhältnisse vom hygienischen Standpunkt aus erträglich erscheinen. Viel schwieriger liegen die Wohnverhältnisse in Bezug auf die ostjüdische proletarische Jugend. Hier herrschen Teilwohnungen (mehrere Familien bewohnen ein und dieselbe Wohnung, nur verschiedene Zimmer) neben Kleinwohnungen vor. Die Bevölkerung ist auf bestimmte Straßenzüge des Zentrums konzentriert, Ausstrahlungen gehen von hier aus in den Berliner Norden und Osten. Die Schlafverhältnisse sind besonders auch wegen der Größe der Familie sehr ungünstig. Die auch in der deutschen Proletarierwohnung bestehende Trennung zwischen eigentlichem Wohnraum und der »Stube« ist nicht vorhanden. Die durchschnittlich schlechte wirtschaftliche Lage und die Wohnungsgesetzgebung in Bezug auf Ausländer sind, abgesehen von den Ursachen der allgemeinen Wohnungsnot, schuld an dieser speziellen ostjüdischen Wohnungsnot. Diese Wohnungsnot ist als ein wesentlicher, sowohl pädagogisch als auch psychisch negativ zu bewertender Faktor anzusehen. Der *) „Die erwerbstätige Jugend". Eine statistische Untersuchung von Dr. Bernhard Mewes, Berlin und Leipzig, Walter de Gruyter 6t Co. 1929, 220 Seiten. 66

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