Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 4 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE ARBEITS- UND WANDERFORSORGE 3, Jahrg. Oktober 1929 Nr. 4 LEBENSVERHÄLTNISSE DER ERWERBSTÄTIGEN JÜDISCHEN JUGEND BERLINS VON DR. GEORG LUBINSKI, BERLIN Es ist ein schon häufig beklagter Mangel, daß die jüdische Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege oft genug ihre Hilfsmaßnahmen ohne eine genaue Kenntnis der Gesamtlage der jüdischen Bevölkerung ausübt. Man erfaßt klar und genau den Einzelnotstand, hat aber keine genügend klare Vorstellung von der gesamten Verbreitung eines Notstandes. Diese geinaue Kenntnis des Gesamtnotstandes ist aber erste Voraussetzung einer Sozialpolitik überhaupt, denn nur so kann ein Ueberblick über die Gesamtnot und die Gesamthilfsmöglichkeit gewonnen werden, nur so können Anstrengungen zur Vergrößerung der Hilfsquellen erfolgreich begründet werden, nur auf diese Weise können endlich auch sozialpolitische Forderungen zu allgemein politischen gemacht werden. Die Schwierigkeiten, die einer solchen Gesamterfassung entgegenstehen, liegen klar zu Tage: Jüdische Sondererhebungen, deren Veranstalter jüdische Körperschaften sind, können nicht mit Zwangsgewalt durchgeführt werden und werden, abgesehen von den finanziellen Schwierigkeiten, daher immer lückenhaft sein. Bei Erhebungen aber, die vom Staate oder einer Kommune durchgeführt werden, ist die Sonderung der Erhebungen bezüglich einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ebenfalls außerordentlich schwierig, wenn dies auch, wie die wichtigsten politischen Arbeiten auf jüdischem Gebiete von Ruppin, Theilhaber und Segall beweisen, nicht ausgeschlossen ist. Neben der statistischen Methode der Erfassung der Lebensverhältnisse einer bestimmten Gruppe gibt es noch eine andere, in ihren Ergebnissen vielleicht weniger zuverlässige, aber im einzelnen doch recht aufschlußreiche Methode, das ist die Methode der Erfassung der Lebensverhältnisse einer Gruppe durch Bildung von Typen innerhalb der Gruppe und möglichst vielgestaltiger Herausarbeitung der Eigenarten der einzelnen Typen. Diese Methode soll für den nachfolgenden Versuch der Darstellung de^ Lebensverhältnisse der erwerbstätigen jüdischein Jugend Berlins beschritten werden. Ergänzend sollen dann die Ergebnisse 65