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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-09-01 · 3 (September 1929) · page 23

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
3 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Den Problemen der Wohlfahrt spflegeri sehen und sozialpädagogischen Ausbildung ist ein Doppelheft der »Arbeiterwohlfahrt« (4. Jg., 13/14. Heft vom 1. 7. 1929) gewidmet. -Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Reichstagung der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt a. M. (März 1929). Es werden eine iReihe von Forderungen an die Voraussetzungen zur beruflichen Ausbildung wie auch an die Ausbildung selbst gestellt, Bezahlung der Praktikantinnenzeit gefordert, auf die Bedeutung besonderer wissenschaftlicher Forschungsstätten, die den Universitäten anzugliedern sind, hingewiesen u. a. m. Die Einführung des Praktikanten dn die soziale Arbeit stand auch auf dem Programm der Hauptversammlung des Bundes deutscher Sozialbeamten in Berlin (Mai 1929)(Der ö f f e n 11 i c h e A r b e i t snachweis, Abteilung Berufsamt, Jg. 6, Nr. 12, Juni 1929). Eine systematische (nicht schematische!) Ausbildung und eine ausreichende Bezahlung wurde auch hier gefordert. BÜCHERSCHAU Th. Roth st ein, Beiträge zur Geschichte der englischem Arbeiterbewegung. Berlin und Wien 1929. Egon Wertheimer, Das Antlitz der britischen Arbeiterpartei. Berlin 1929. Sidney u. Beatrice Webb, Das Problem der Armut. 2. Aufl. mit einem Vorwort von S. Wronsky. Verl. Diederichs, Jena 1929. Die Geschichte und die Problematik der englischen Labour Party ist heute aktueller denn je. Deshalb sind die gesammelten Aufsätze Rothsteins zur Entwicklungsgeschichte der englischen Arbeiterpartei außerordentlich zu begrüßen. Obwohl zum größten Teil bereits vor dem Kriege in der »iNeuen Zeit« erschienen, haben sie an Wichtigkeit nicht eingebüßt, sind auch durch neuere Arbeiten kaum überholt worden. Sie schildern das merkwürdige Phänomen einer Partei, die aus revolutionärem Urgrund (Chartistenbewegung), vor aller revolutionären Dogmatik und vor der Existenz jeglicher anderer organisierter Arbeiterbewegung ins Leben getreten, dieses Lebenselement völlig verlor und sich im Verlauf beinahe eines Jahrhunderts zur sozialen Reformpartei par excellence entwickelte. Rothstein führt dies auf die ungewöhnliche kapitalistische Entwicklung Englands zurück, die bis zur Jahrhundertwende gleichbleibende Löhne bei starkem Ansteigen des Realwertes gestattete. So wurde die Arbeiterbewegung zur reinen Gewerkschaftsbewegung, aufgebaut in exklusiver Form auf der Basis gegenseitiger Hilfe unter Verzicht auf alle politischen Ideen und parteilichen Konstruktionen. Der Weltkrieg hat dann die mit der Aenderung der Wirtschaftssituation Englands begonnene schnelle Wandlung unterbunden. Die Entwicklung der Nachkriegsperiode wird leider von Rothstein nicht mehr geschildert. Das Buch Wertheimers könnte also eine fühlbare Lücke ausfüllen. Leider hat sich W. seine Aufgabe zu leicht gemacht: er endet dort, wo er beginnen müßte. Das Antlitz der britischen Arbeiterpartei, so unähnlich jeglicher sonstigen sozialdemokratischen Partei, wird für uns durch seine wissenschaftlich kaum fundierten Ausführungen nicht klarer. Das endgültige Werk über die Labour Party wird erst geschrieben werden müssen. Die unabhängige Arbeiterpartei, die sozialistische Föderation, und die Fabische Gesellschaft sind diejenigen Teile der britischen Arbeiterpartei, die ihrer (Struktur nach dem Aufbau der deutschen Arbeiterparteien ähneln. Die Fabische Gesellschaft vielleicht am wenigsten, da sie eine lose Zusammenfassung von reformsozialistischen Intellektuellen darstellt. Zu ihren prominentesten Mitgliedern gehören das Ehepaar Webb und Shaw. Der Verlag Eugen Diederich hat soeben ein charakteristisches Werk dieser Gruppe (Webb, Das Problem der Armut) in zweiter Auflage neu herausgegeben. Als historisches Dokument ist dies Werk sicher von einiger Bedeutung, als Einblick in die eigenartige und nur reformistische Tendenz maßgeblicher Kreise der Arbeiterpartei sicher von einigem Interesse. Als grundsätzliche Untersuchung des Problems vom Standpunkt der Arbeiterbewegung ist es allerdings im Ausgangspunkt verfehlt, in seinen Tendenzen nicht umfassend genug, in seinen Vorschlägen veraltet und überholt, wenn auch zugegeben werden 63

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