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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-09-01 · 3 (September 1929) · page 24

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
3 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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mag, daß die Idee der vorbeugenden Hilfe, die die WeM) als die tragende ihrer Arbeit ansehen, immer noch nicht jene umfassende Geltung gewonnen hat, die sie ohne Zweifel beanspruchen darf. Einige Partien des Werkes fordern aber darüber hinaus zu entschiedenem Widerspruch heraus und muten in dem Gesamtrahmen des Buches einfach unverständlich an. So wenn gesagt wird, daß dem Mißbrauch (!) der Inanspruchnahme der Geburtshilfe durch Frauen der ärmeren Schichten schwer zu steuern ist <S. 33), daß es ein öffentliches Aergernis ist, wenn von 24.000 von den Behörden Londons beköstigten Schulkindern 2000 durch nicht allzu straffe Organisation doppelte Portionen empfangen (S. «49), daß »jenes unzulängliche und beschränkte Wochengeld (bei Arbeitslosigkeit durch die Gewerkschaften) fast bedingungslos (!) gezahlt wird« (S. 105). S. Wronsky hat der 2. Auflage dieses Buches ein ausgezeichnetes und beachtliches Vorwort vorausgeschickt, in dem auf wenigen Seiten der Versuch gemacht wird, die Vorkriegsforderungen der Webb mit der gegenwärtigen Gestaltung der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege Deutschlands zu vergleichen. Entscheidendes ist getan worden, weiteres bleibt zu tun übrig; das Webbsche Programm ist mehr als erfüllt worden, ihre Ideen auf dem Gebiete vorbeugender Bevölkerungspolitik und vorbeugender Gestaltung des Arbeitsmarktes hingegen harren noch der Realisierung. Das Problem der Arbeitslosigkeit allerdings allein mit den Mitteln der Streckung der Staatsaufträge lösen zu wollen, dürfte an dem Charakter gegenwärtiger Arbeitslosigkeit durchaus scheitern. Kr. Die örtliche und soziale Herkunft der öffentlich unterstützten Personen, insbesondere der verwahrlosten Familien. 1. Preisauf gäbe der Sächsischen L a ndeswohlfahrts Stiftung, 1927, Kommissionsverlag bei B. G. Teubner Leipzig und Berlin. Das Preisausschreiben der Sächsischen Landeswohlfahrts - Stiftung hatte den Zweck, an einzelnen Beispielen festzustellen, inwieweit die öffentlich unterstützten Personen, insbesondere die verwahrlosten Dauerfälle aus der Stadt selber stammen, ob sie proletarischer Herkunft oder aus dem Mittelstand herabgesunken sind oder ob es sich bei diesen Personen um Zugewanderte handelt, die in der Stadt keinen festen Fuß fassen konnten. Es sollte ferner untersucht werden, ob sich Feststellungen über die soziale Umschichtung der letzten Jahre und das Vorhandensein besonderer Zuwanderungsgebiete verarmter Bevölkerung zu der betreffenden Stadt ziehen lassen. Es sind fünf verschiedene Arbeiten aus den iStädten Frankfurt a. M., Eßlingen, Hannover, Lichtenstein-Callenberg u. Würzburg veröffentlicht worden, an Hand der Akten des Wohlfahrtsamtes zusammengestellte, vorwiegend statistische Arbeiten. Die Ergebnisse der einen oder anderen Arbeit sind ohne Zweifel sehr interessant, so wenn z. B. Frankfuant a. M. berichtet, daß die eingesessene Bevölkerung einen weit geringeren Anteil zu dem Kontingent der Armen stellt als die zugezogene, hingegen Würzburg zu dem Resultat kommt, daß die Zusammensetzung der öffentlich Unterstützten nach der Gebürtigkeit der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung entspricht Im übrigen ist infolge der verschiedenen Bearbeitung und dem Mangel einheitlicher Richtlinien die Möglichkeit des Vergleichs zwischen den einzelnen Arbeiten sehr erschwert. Je nachdem, ob die verschiedenen Gruppen der öffentlichen Fürsorge, die Kleinrentner, Sozialrentner, Kriegsbeschädigten etc. in die Untersuchung einbezogen wurden oder nicht, ergibt sich selbstverständlich ein ganz anderes Bild. In der (preisgekrönten) Frankfurter Arbeit von Dr. W. Niemeyer befindet sich ein .sehr anschaulicher, durch Einzeldarstellungen belegter Abschnitt über die verwahrlosten Familien (die in den anderen Arbeiten sehr kurz gekommen sind). Es würden nur etwa 2% der Unterstützten Bewahrungsffälle darstellen, ein Beweis dafür, daß nur ein erheblich geringerer Teil der Unterstützten, als im allgemeinen angenommen wird, zu den asozialen zu rechnen ist. 64

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