Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 3 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Spezialisierung der Vermittlungstätigkeit, insbesondere der Berufsberatung, geringere Kosten infolge des größeren Aktionsradius und sowohl durch den Erfolg der Arbeit wie auch durch Gewöhnung bewirkte Eingliederung in die Arbeitsgebiete der jüdischen Gemeinde sind die wesentlichsten Vorteile des Berliner Jüdischen Arbeitsnachweises gegenüber den jüdischen Arbeitsnachweisen in der Provinz. Wenn nun im folgenden über die Tätigkeit des Jüdischen Arbeitsnachweises in Breslau berichtet wird, so muß darauf hingewiesen werden, daß die Erfahrungen dieses Arbeitsnachweises in wesentlichen Momenten nicht auf andere Bezirke Deutschlands übertragen werden können. Die Breslauer Gemeinde mit ca. 24.000 Juden liegt in Niederschlesien als Großgemeinde, der in der ganzen übrigen Provinz noch ca. 40 Gemeinden mit insgesamt nur 4000 Juden gegenüberstehen, so isoliert wie kaum eine andere Großgemeinde in Deutschland. Das bringt es mit sich, daß trotz aller Bemühungen, die Vermittlungstätigkeit auf die ganze Provinz zu erstrecken, der Arbeitsnachweis hauptsächlich auf Breslau beschränkt bleibt. Nur 28 Vermittlungen von bezw. nach Provinzgemeinden Niederschlesiens bei einer Gesamtzahl von 471 Vermittlungen sind im Jahre 1928 zu verzeichnen. Es handelt sich hierbei vornehmlich um Hauspersonal und Lehrstellen. Bei den Versuchen, diese Tätigkeit zu intensivieren, zeigt es sich, daß einzelne Vertrauensleute in kleineren Provinzorten, seien es nun Kultusbeamte oder Vorstandsmitglieder der Frauenorganisationen (diese Versuche sind bisher vergeblich gemacht) sich nicht bewähren. Es muß versucht werden, mit den einzelnen Arbeitgebern in der Provinz direkt in Konnex zu kommen. Durch eine sich regelmäßig wiederholende Propaganda bei diesen kann ein solcher geschaffen werden. Nebenhergehen muß eine individuelle Nachfrage bei Arbeitgebern für bestimmte, besonders geeignete Arbeitnehmer. Hier gibt es z. B. eine Umstellungmöglichkeit für junge kaufmännische Erwerbslose der Engrosbranche auf das Detailgeschäft. — So schwierig die Stellenbeschaffung in diesen Provinzgemeinden ist, so leicht ist die Erfassung der zahlenmäßig belanglosen Erwerbslosen, da man sich für diese sofort des jüdischen Arbeitsnachweises in Breslau erinnert. Wesentlich leichter dürfte eine Vermittlungstätigkeit in Oberschlesien auszuüben sein, weil die jüdische Bevölkerung dieser Provinz (ca. 10.000 Seelen) sich vornehmlich auf 4—5 Gemeinden verteilt, die sehr nahe beeinander liegen. Hier könnte in kürzester Zeit auch von Breslau aus eine lebhafte Vermittlungstätigkeit erfolgen. Dem stand bisher entgegen, daß zunächst der engere Kreis Niederschlesiens bearbeitet werden mußte und daß die finanziellen Schwierigkeiten noch dadurch verstärkt wurden, daß eine materielle Stützung aus Oberschlesien nicht zu erhalten war. Wenn aber diese Tätigkeit demnächst aufgenommen wird, werden wir hoffentlich schon über Erfahrungen aus dem Ruhrgebiet verfügen, die der Dortmunder Arbeitsnachweis in diesem ähnlich 52