Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 3 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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gung wohl wert sein, nicht nur eine fürsorgerische Vermittlungstätigkeit der jüdischen Arbeiterkolonie zu organisieren, sondern einen caritativ-jüdischen Arbeitsnachweisverbanid ins Leben zu rufen, der dem Landesarbeitsamt unterstellt diesem seine Vermittlungszahlen statistisch mitteilt. Arbeiterkolonie und Arbeitsbeschaffung gehören zusammen. Unsere Koloniearbeit wird um so erfolgreicher sein, je mehr die Arbeitsvermittlung in ihrer tiefgreifenden Wirkung für die Wandererfürsorge erfaßt wird und je fester der Gedanke der Organisation der caritativen Arbeitsvermittlung in den Wohlfahrtspflegekreisen Wurzeln schlägt. DER JÜDISCHE ARBEITSNACHWEIS IN DER PROVINZ (Die Tätigkeit des Breslauer Arbeitsnachweises.) VON EUGEN SAMSON, BRESLAU Das Problem des Ausbaues der jüdischen Arbeitsnachweise in Deutschland ist schon oft in diesen Blättern behandelt worden. Der Tätigkeitsbericht von Frau Prochownik im Jahrg. II., Nr. 11 dieser Zeitschrift über die Berliner Arbeitsnachweistätigkeit beweist von neuem, daß diese ausgezeichnete Arbeit von den Provinzgemeinden nicht schematisch übernommen werden kann. Die größte Erleichterung liegt doch zweifellos darin, daß entsprechend der Zahl der jüdischen Bevölkerung Berlins der jüdische Arbeitsnachweis dort sowohl zahlenmäßig in Bezug auf die Frequenz, die Vermittlung und Unterbringungsmöglichkeit bei jüdischen Arbeitgebern, wie auch sachlich in Bezug auf die Spezialisierung der in ihm tätigen Beamten auf spezielle Vermittlungsgebiete mit einem öffentlichen Arbeitsnachweis einer Großstadt durchaus konkurrieren kann. Diese Spezialisierung ist in der Provinz — dafür bedarf es keiner näheren Begründung — nicht möglich, und selbst mit nur einem oder zwei Vermittlern müssen die Spesen eines jüdischen Provinzarbeitsntachweises höher sein, wenn man die Durchschnittskosten einer vermittelten Stelle berechnet. Was aber höhere Kosten für eine Institution bedeuten, die im Aufbau begriffen ist oder gar erst gegründet werden soll, kann nur jemand ermessen, der täglich die Klagen der Gemeindevorstände und Repräsentanten hört über schlechte Steuereingänge, Austritte aus der Gemeinde und zu hohe Synagogensteuerquote. Der Berliner Arbeitsnachweis ist durch seinen jahrelangen Bestand im Gemeindeleben bereits fest verankert und konnte sich auch fest verankern, weil er in einer Zeit gegründet wurde, wo man für sozialpolitische Forderungen Gehör fand und Geld bekam. Dies trifft zwar auch für den Breslauer jüdischen Arbeitsnachweis zu, weniger aber für alle anderen jüdischen Provinzarbeitsnachweise und gewiß nicht für solche, die jetzt erst gegründet werden sollen. Deutschland bereits seit 1926. Der »Landesarbeitsdienst« liesgt bei den Arbeitsnachweisen der größeren Städte, die teilweise bereits als iProvinzialarbeitsnachweise fungieren (z. B. Breslau) oder doch zu Provinzialarbeitsnachweisen ausgebaut werden sollen. Die Redaktion. 51