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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-09-01 · 3 (September 1929) · page 13

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
3 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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gelagerten Gebiet gesammelt hat. Bemerkenswert ist jedenfalls noch, daß ohne jede propagandistische Tätigkeit im Jahre 1928 vom Breslau aus schon 24 Vermittlungen von bezw. nach Oberschlesien getätigt wurden. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Ausdehnung des jüdischen Arbeitsnachweiswesens auf die Mittel- und Kleingemeinden der Provinz — so schwierig sie auch ist — trotz aller Mißerfolge immer wieder erneut versucht werden muß. Erst der Bezirksarbeitsnachweis wird den Aufgaben einer jüdischen Arbeitsvermittlungsstelle in der Provinz gerecht. Der Bezirksarbeitsnachweis ist leichter durchführbar — abgesehen von der finanziellen Tragfähigkeit — in Gebieten mit mehreren größeren Gemeinden (Rheinland, Ruhrgebiet, Sachsen). Er ist erschwert in Gebieten mit einer Großgemeinde und vielen Klein- und Mittelgemeinden, zumal dort der Zug nach der Großgemeinde, der nach wie vor andauert, die Vermittlung in die kleineren Provinzorte erschwert. Wenn wir darauf hinweisen, daß die Struktur des jüdischen Arbeitsnachweises in der Provinz von dem Arbeitsnachweis in Berlin abweichen muß und die Arbeitsweise in der Provinz unter schwierigeren Bedingungen erfolgt, so wirkt die jeweilige Wirtschaftslage, wie wir schon oft und erneut an dem Tätigkeitsbericht von Frau Prochownik feststellen konnten, in gleicher Weise auf die Vermittlungstätigkeit ein. Schlesien leidet, das kann ohne in die jetzt landesübliche Schwarzmalerei zu verfallen, festgestellt werden, nicht nur an der allgemeinen schlechten Wirtschaftskonjunktur, es hat außerdem noch wertvolles Absatzgebiet in Posen und Oberschlesieen verloren, am schlimmsten aber trifft die Wirtschaft hier der fehlende Handelsvertrag mit Polen. Für die Tätigkeit des Breslauer Arbeitsnachweises besonders hemmend ist die schwierige Lage des Zwischenhandels in der gesamten Bekleidungsindustrie, deren Träger einen wesentlichen Bestandtteil der jüdischen Bevölkerung Breslaus bilden. Die Eröffnung von 5 Warenhäusern in 2 Jahren, die vielfach Personal aus anderen Städten nach Breslau überführten, hat keine Erleichterung des Arbeitsmarktes für Angestellte mit sich gebracht außer für jüngere Verkäuferinnen, an denen ausgesprochener Mangel herrscht. Aehnlich ist es mit Stenotypistinnen, die besonders in den Sommermonaten sehr gesucht werden. Durchgängig für alle Branchen und Berufe kann gesagt werden, daß jüngere Kräfte bis zu höchstens 25 Iahren bei einiger Qualifikation untergebracht werden können mit Ausnahme von einigen Lageristen und Expedienten aus der Bekleidungs-Engros-Branche, deren Umstellung für die Detailbranche dann häufig ermöglicht werden kann. — Einigen Erfolg hatte auch die Unterbringung ungelernter und gelernter Bauarbeiter bei Firmen, die Aufträge für die jüdische Gemeinde und jüdische Wohlfahrtsinstitutionen auszuführen hatten. Nachdem hier erst einmal erfolgreich eine Bresche geschlagen ist, werden weitere Unterbringungen sicher erfolgen können. Ist auch davor zu warnen, in der Auftragserteilung seitens der Ge- 53

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