Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 1-2 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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gab aber schließlich seine Erlaubnis. Da er den Lehrherrn des Jungen persönlich als einen streng orthodoxen Juden kannte und auf dessen Urteil sehr viel gab, baten wir den Meister, gerade über die Bäckerei als jüdischen Beruf mit ihm einmal zu sprechen und ihn auch in dieser Beziehung zu beruhigen. Der Meister ging auf unsere Veranlassung zum Vater und zerstreute dessen Bedenken. Auf diese Weise hatten wir für den Jungen nicht nur die Erlaubnis, sondern auch das Einverständnis des Vaters, was für die Beziehung des Jugendlichen zum Elternhaus sehr wesentlich war. Entscheidend an der Berufsberatung dieses Jugendlichen war die Durchsetzung der Erfüllung seines Berufswunsches »gegenüber dem Wunsch seines Vaters. Da es sich um einen sehr gedrückten, nicht sehr kräftigen Jungen handelte, mußte hier mit der größten Vorsicht gearbeitet werden, um bei der Entscheidung die Abneigung gegen den Vater nicht noch zu stärken, andererseits das Selbstgefühl des Jugendlichen nicht noch herabzusetzen. Um jeden Preis mußte der Berufswunsch des Juigendlichen erfüllt werden, um jeden Preis mußte er mit Zustimmung des Vaters erfüllt werden. Dieser, für bestimmte Kreise unserer Bewerberschaft typischer Fall beweist, wie notwendig es für die Berufsberatung ist, bei Eignung des Jugendlichen den Berufswunsch als Grundlage für die Beratungsatrbeit anzunehmen, ferner, wie die Berufsberatungsstelle alle erdenklichen Möglichkeiten, dem Kinde zur Erfüllung seines Berufswuchses zu verhelfen, benutzen muß. L. Z. ZEITSCHRIFTENSCHAU Die Wandererfürsorge steht im Mittelpunkt des 5. Heftes der »I nn e r e n Mission« (Mai 1929). Über die Wandererfürsorge im Rahmen der sozialpolitischen Maßnahmen des letzten Jahrzehnts berichtet Ministerialrat Dr. Zschucke, Berlin. Man hat zwar die Besonderheiten des Problems erkannt, bisher aber nur vom Arbeitsmarkt her besondere Maßnahmen getroffen. Einen wesentlichen Fortschritt für die gesamte Wandererfürsorge verspricht sich Oberregierungsrat Mailänder, Stuttgart, von der reichsrechtlichen Regelung. Da etwa die Hälfte aller Wanderer landwirtschaftliehe Saisonarbeiter sind, ist die Lösung des Schnitterproblems von besonderer Bedeutung (Pastor Braune, Lobetal, Das Schnitterproblem). Daß die Arbeiterkolonien einen wesentlichen Verdienst an der Bekämpfung der Wandernot haben, beweist Ministerialdirektor i. R. von Meyeren in einem Artikel über die Arbeiterkolonien in ihrer Entwicklung und ihren gegenwärtigen Problemen. Einzelfragen der Wanderernot und die westfälische Wandererfürsorge behandelt Caritassekretär B. Decking in der »C a r i t a s« (6. Heft, Juni 1929). Richtlinien über Schaffung und Ausbau der Wandererfürsorge in der Rheiprovinz sind im »Nachri chtendienst des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge« (Nr. 5, Mai 1929) enthalten. Vielfache praktische Erfahrung und eingehende statistische Untersuchungen über Herkunft, Alter und Beruf jugendlicher Wanderer und über die Ursachen ihrer Wanderung veranlaßt H. Gramm (Zentral blatt für Jugendrecht und Jugendwohlfahrt, Nr. 3, Juni 1929) zu der Forderung, daß die Fürsorge für jugendliche Wanderer als gemeinsame Aufgabe der Jugendämter behandelt werden muß. Auch die Arbeitsämter sollten die Jugendlichen nicht nur auf ihren Wanderschein hin, sondern auch unter fürsorgerischen Gesichtspunkten prüfen. Dr. Walter Simon untersucht in »Jugend und Beruf« (Heft 6, Juni 1929) arbeitsmarktpolitische, beruf spolitische und eignungspolitische Gegenwartsaufgaben der Berufsberatung. Der Lehrlingsmangel hat im allgemeinen für die Lehrlinge nicht die günstige Situation geschaffen, wie man gehofft hat. Lohnerhöhungen steht die Konkurrenz der ungelernten Arbeiter entgegen. Wirtschaftlich bedenklich ist der mangelnde Nachwuchs für unbeliebte Berufe. Den kaufmännischen Berufen und der Berufsberatung ist Nr. 8 der Zeitschrift »Der öffentl. Arbeitsnachweis, 'Abteilung Das Berufsamt« gewidmet. Daß die Kenntnis bestehender Verhältnisse die erste Voraussetzung für eine zweckbewußte Zukunftsgestaltung sei. 37