Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 1-2 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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RUNDSCH AU Die Tätigkeit der Kreditgemeinschaft gemeinnütziger Selbsthilfeorganisationen im Jahre 1928. Die /Kreditgemeiinschafit gemeinnütziger Selbsthilfeorganisationen Deutschlands G. m. b. H. (Kageso, Geschäftsstelle Berlin N 24, Monbijouplatz 3) ist 1923 gegründet worden, um durch Gewährung von Darlehen Einrichtungen zu fördern, deren Aufgabe es ist, die wirtschaftliche und berufliche Notlage bedrängter, teilweise aus öffentlichen Mitein unterstützter Volkskreise (Sozialrentner, Kleinrentner, Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Erwerbsbeschränkte) zu lindern, insbesondere zu dem Zweck, die wirtschaftliche Selbständigkeit der Einzelnen zu fördern. Die Kreditgemeinschaft gewährt demzufolge Darlehen zunächst solchen Stellen, die entweder bereits praktische Arbeit auf dem Gebiete der Selbsthilfe für diese Volkskreise geleistet haben oder die geeignete Sicherheit für eine erfolgreiche Aufnahme solcher Arbeiten bieten. Daneben gibt die Kreditgemeinschaft auch Darlehen an Einzelpersonen, jedoch ausschließlich zu produktiven Verwendungszwecken, d. h. zu einer Verwendung, die zur Erhöhung der wirtschaftlichen Leistung des Darlehnsnehmers geeignet ist. Insbesondere hat sie sich im Frühjahr 1928 auf Veranlassung des Gewerkschaftsbundes der Angestellten bereit erklärt, eine Darlehensaktion für erwerbslose ältere Angestellte zur Gründung und Erhaltung kleiner selbständiger Wirtschaftsexistenzen durchzuführen. Die Kreditgemeinschaft gemeinnütziger Selbshilfeorganisationen ist nicht, wie der Name vielleicht vermuten ließe, eine Genossenschaft; sie bringt die Kreditmittel nicht aus ihrer eigenen Mitte auf; die Selbsthilfe, als die sie sich bezeichnet, liegt in dem Versuche, die Verwertung vorhandener, aber geschwächter Kräfte aus eigenem Willen produktiv zu verwerten und durch Zusammenschluß zu stärken. Die Geldmittel jedoch, die zur Produktivierung solcher, sonst brachliegender Kräfte notwendig sind, werden von außen her, und zwar von Reich und Ländern beigebracht. Sie planmäßig und sinnvoll zu verteilen, ihre Verwendung zu überwachen und für den Rückfluß Sorge zu tragen, ist die Aufgabe der Kreditgemeinschaft.; Sie gewährt diese von Reich und Ländern zur Verfügung gestellten Mittel ausschließlicih :in Form von Krediten und nur unter solchen Voraussetzungen, die die Rückzahlung gesichert erscheinen lassen. Dieser Grundsatz hat einen doppelten, wirtschaftlichen und sozialen Zweck. Die wirtschaftliche Bedeutung liegt darin, daß die ausgegebenen Mittel keinen Verlorenen Fonds darstellen, sondern zurückgezahlt werden, der soziale Wert ist in der Erziehung der Kreditnehmer zu intensiver Arbeit und der Vermeidung der häufig die Initiative lähmenden Unterstützung zu sehen. Es erheben sich Zweifel, ob dieser Grundsatz der Rückzahlungspflicht gerade gegenüber den in Frage kommenden wirtschaftlich schwachen Kreisen durchführbar ist. Der Bericht der Kreditgemeinschaft für das Jahr 1928 bejaht dies durchaus. Die Rückzahlungen erfolgen sogar schneller und in größerem Umfang, als man angenommen hatte, und berechtigen zu der Hoffnung, „daß wir uns allmählich dem Punkte nähern, wo wir, falls nicht ganz große neue Aufgaben entstehen, in der Laige sein werden, aus den wieder zurückfließenden Mitteln ohne Inanspruchnahme neuer Gelder den laufenden Bedarf selbst zu decken." Der Umfang der Kreditvermittlung hat sich von Jahr zu Jahr gesteigert. 1927 wurden 4,2 Mill. neue Kredite verausgabt, 2,7 Mill. flössen zurück; 1928 wurden 5,3 Mill. neu ausgegeben, 4,2 Mill. kamen zurück. Wie vielerlei mit diesen Mitteln geschaffen worden ist, zeigt ihre Verteilung auf die verschiedenen Verwendungszwecke. Von den im Jahre 1928 verausgabten 5,2 Mill. wurden 2,2 Mill. an Selbsthilfeorganisationen ausgegeben und zwar an Blindenanstalten, -Werkstätten und -Organisationen, an Krüppelanstalten, Strafentlassenenanstalten, kommunale und andere Erwerbsbesch ränktenwerkstätten, Wanderheime, Asyle und Arbeiterkolonien. Vertriebstellen für 28