Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 1-2 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Vielleicht. Aber eben dieses scheidet uns prinzipiell von der »weltlichen« Wohlfahrtspflege, und ich glaube, daß hier auch der Ort ist, wo von den besonderen sozialen Aufgaben des Rabbiners gesprochen werden sollte. Auch das hat Goldmann schon angedeutet. Ich möchte es etwas schärfer, einseitiger formulieren. Ich glaube, daß unsere spezifisch theologische Fürsorgearbeit bedeuten muß: individ uell e Arbeit am Einzelnen. Dem Wohlfahrtsamt muß es genügen, die gesetzlich notwendige Arbeit getan zu haben. Die Summen, die beschafft werden, können nicht ausreichend sein. Die Art der Menschenbehandlung muß in einem großen Betrieb schlecht und stumpf werden. Der Rabbiner wird innerhalb der organisierten Wohlfahrtspflege immer nur Mitarbeiter, aber kritischer Mitarbeiter sein können. Unsere eigentliche Wohlfahrtspflege ist aber Seelsorge. Diese Seelsorge kann sich nicht mit einem Minimum begnügen. Sie wird nicht Almosen geben. Sie wird aber nicht Menschen abweisen, weil sie »dem Wohlfahrtsamt bereits bekannt sind«. Sie wird heute systematischer sein, produktivieren wollen. Aber sie wird sich prinzipiell und oft auch faktisch scheiden von der Wohlfahrtspflege der Organisationen. Ich bin deshalb für reinliche Scheidung. Man sollte die organisierte Wohlfahrtspflege den Organisationen überlassen. Aber wir sollten die soziale Seelsorge ausbauen und für diesen Ausbau die Gemeinden interessieren. Wenn heute von Sozialrabbinern für die großen Städte gesprochen wird, so ist das sehr richtig, und es ist der einzige Weg, so etwas wie individuelle Sozialarbeit in der Großstadt zu leisten. Aber so wie das bei uns realisiert wird, so geht es wahrlich nicht. Der Weg aus dem ewigen Dilettantismus führt zur strengen Spezialisierung. Der Sozialrabbiner sollte daher Sozialrabbiner sein — und nichts anderes. Was wäre Sonnenschein gewesen, der immer wieder in diesem Zusammenhang genannt werden muß, ohne die Konzentration auf die soziale Arbeit? Die Sozialrabbiner müssen die Vertrauensmänner werden, die die bislang auf alle Rabbiner verteilte Sozialarbeit leisten sollen, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Wohlfahrtsämtern. Aber auch in kritischer, unabhängiger Stellung zu ihnen. Es ist notwendig, daß die Sozialrabbiner keine Erscheinungen des bloßen Prestiges sind, sondern daß sie tatsächlich auch die Mittel und die Machtvollkommenheiten haben, etwas zu leisten. Nur dann hat es überhaupt einen Sinn, von einer besonderen rabbinischen Arbeit in der sozialen Fürsorge zu sprechen. Von hier aus ergibt sich auch eine neue Aufgabe des sozialen Ausschusses des Rabbinerverbandes. Die ewige Stümperei ist sinnlos. Aber es wäre im höchsten Grade sinnvoll, wenn der Ausschuß ausgebaut werden würde zur Zentrale für jüdische Seelsorge. Hier müßten die Sozialrabbiner arbeiten. Hier könnten sie aber feuch herangebildet werden. Ainders als jetzt: unter dauernder Kontrolle der Sozialrabbiner. Man würde an den Kandidaten wertvolle Helfer haben. Das praktische Jahr könnte hier verbracht werden, oder aber die Verteilung auf die verschiedenen Rabbinate könnte von hier erfolgen, Dann würde auch das neue Lehrfach an den Seminaren wegfallen. Wenn es gar noch 18