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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-07-01 · 1-2 (Juli 1929) · page 14

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
1-2 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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wird er auch allen an ihm herantretenden Forderungen genügen können. Anders aber steht es mit den Großgemeinden. In ihnen sind der Pflichten so viele, und sie mehren sich mit der fortschreitenden Verarmung des Juden von Tag zu Tag so gewaltig, daß man die Einrichtung der »S o z i a 1 r a b b i n e r«, mit denen Berlin ja jetzt einen Anfang gemacht hat, wird ausbauen müssen. Ihnen würde die Aufgabe zufallen, die Anstaltsseelsorge wahrzunehmen und sich innerhalb der Gesamtfürsorge der Gemeinde in dem oben beschriebenen Ümfange teils beratend, teils praktisch zu betätigen. Bedenkt man, wie groß der Pflichtenkreis eines Rabbiners in der Großgemeinde ist —i neben dem Predigtamte und dem Unterrichte hat er noch die Leitung der Religionsschule und sonstige Verwaltungsaufgaben mannigfacher Art, muß im Vereinswesen sehr tätig sein, wissenschaftliche Vorträge halten und bei Kasualien amtieren, von Verpflichtungen repräsentativer und gesellschaftlicher Art ganz zu schweigen — so wird die Forderung nach besonderen »Sozialrabbinern« angesichts der Bedeutung der Sache keineswegs überflüssig erscheinen. In einer Gemeinde wie Leipzig beispielsweise mit ihrem starken jüdischen Proletariat fände er eine mehr als ausreichende Beschäftigung. Der »Rabbinerverband in Deutschland« beginnt sich der Bedeutimg der hier behandelten Fragen bewußt zu werden, und er hat einen »sozialen Ausschuß« gegründet, der nicht nur bei der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen den Einfluß des Rabbiners geltend macht, sondern der auch innerhalb des eigenen Kreises das Verständnis und das Interesse für die sozialen Aufgaben wachruft. Die Arbeit ist also begonnen, und es ist zu hoffen, daß alle in diesen Ausführungen erhobenen Forderungen, insbesondere die nach besserer sozialer Ausbildung der Rabbinatskandidaten, nach dem praktischen Jahr und nach den Sozialrabbinern, ihre innere Notwendigkeit auch weiteren Kreisen der deutschen Judenheit erweisen und damit der Verwirklichung näher gerückt werden. Ich weiß genau, daß unter den kritischen Stimmen, die diese Darlegungen hervorrufen mögen, sich auch jene vernehmen lassen, die in milderer Tonart von dem Geltungsbedürfnis oder gar der Herrschsucht der um alles sich kümmernden Rabbiner reden, und die gröber noch das Gespenst einer Klerikalisierung des Judentums an die Wand malen. Ihnen sei bemerkt, daß es sich in Wahrheit um einen Aufruf andie Rabbiner und die fürihre Ausbildung verantwortlichen Stellen handelt, die diesem Zweige ihres Wirkens noch nicht die genügende Beachtung schenken. Nicht um Ehren und nicht um das Regieren geht es, sondern um tätige, schwierige Arbeit im Dienste des Judentums. Als ich vor einigen Jahren als Vertreter deutscher Organisationen dem jüdischen allgemeinen Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels in London beiwohnte, war ich unter einer Fülle von Delegierten aus allen Ländern der Welt fast der einzige Rabbiner. In jenen Stunden erkannte ich, wie dringend notwendig eine Aenderung der Stellungnahme der Rabbiner — nicht nur in 14

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