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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-07-01 · 1-2 (Juli 1929) · page 13

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
1-2 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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jahend lauten! Alle Rabbiner der älteren, und, jüpgereii Generation die sieh mit den sozialen Dingen/ in i^en Gemeinden befassen, haben sich während ihrer Amtszeit mit großer Mühe ihre Kenntnisse und Erfahrungen sammeln müssen. Denn $rst in neuestey Zeit hat man auf den Rabbiner Seminaren einen schüchternen Anfang gemacht und läßt über soziale Fächer von Fachmännern Vorlesungen veranstalten, die aber nicht obligatorisch und die nicht Gegenstand der Prüfung bei der Erteilung des. Rabbinatsdiploms sind. Gewiß kommt der Sozialfürsorge in der Ausbildung der Theologen die Bedeutung eines weiteren Hauptfaches neben Bibel, Talmud, Geschichte, Philosophie und der hebräischen Sprache nicht zu. Aber bei den Nebenfächern der Homiletik und Pädagogik müßte sie ihre gleichberechtigte Stelle haben! An allen Anstalten müssen regelmäßige Vorlesungen über dieses Gebiet der angewandten, praktischen Theologie gehalten werden; seminaristische Uebungen, die mit Besichtigungen der in Betracht kommenden Anstalten verbunden sind, sollen die Verbindung mit der Praxis herstellen, und beim Examen soll Sozialfürsorge auch Prüfungsfach sein. Wesentlicher noch ist aber ein anderes, das mit der Vorbildung der jungen Theologen überhaupt zusammenhängt. In jedem anderen Fache ist es üblich, daß ein Kandidat nach bestandenem Examen vor der Annahme eines selbständigen Amtes unter Leitung älterer, erfahrener Kollegen eine praktische Ausbildung genießt. Juristen und Lehrer haben ihre Referendarzeit, Aerzte ihr praktisches Jahr, evangelische Geistliche sind zunächst Vikare und die katholischen Priester arbeiten als Kapläne. Nur der junge Rabbiner kommt frisch vom Seminar gewöhnlich als alleiniger jüdischer Geistlicher einer Stadt in eine Stellung, die die größten Anforderungen an seinen Takt und an seine Erfahrungen stellt, obwohl er diese bisher noch nicht hat erwerben können. Man darf dem Schicksal danken, daß es meist leidlich abgeht, und daß der junge Rabbiner sich allmählich einarbeitet. Aber es könnte besser gehen, und der junge Rabbiner könnte für die Praxis der Seelsorge und des Unterrichts viel mehr leisten, wenn seine Ausbildung durch ein praktisches Jahr vervollständigt würde. Und zumal im Hinblick auf die sozialen Aufgaben, die immer noch anwachsen, muß diese Forderung dringlich erhoben werden. Große Gemeinden und Landesverbände müssen Stellen schaffen, in denen die jungen Kandidaten nach Ablegung des Examens Gelegenheit haben, sich unter der Leitung älterer und erfahrener Kollegen in der Praxis des Berufs, vor allem aber in der sozialen Arbeit auszubilden. Eine solche Einrichtung, die kommen muß und wird, über die im einzelnen zu reden aber nicht Aufgabe dieser Ausführungen sein kann, würde nicht nur den jungen Anwärtern auf das Amt des Rabbiners eine größere Sicherheit und Arbeitsfreude geben, sie würde auch für das Leben der Gemeinden von größtem Segen sein. Jeder Rabbiner muß für die sozialen Aufgaben geschult sein, und im allgemeinen — in kleinen wie in mittleren Gemeinden — 13

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