Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 12 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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manche Abhandlung, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, an Vielseitigkeit und Gründlichkeit weit übertrifft. Eine Geschichte des Reichsarbeitsministeriums ist ja nicht die Biographie einer Behörde; sie ist das Spiegelbild der gesamten sozialen Entwicklung, gestaltet das Rechtsgebiet, das heute als wichtigstes, als zukunftsreichstes erscheint: das Arbeitsrecht. Dabei läuft ein Bericht des Reichsarbeitsministeriums nicht Gefahr, einseitig oder spezialisiert, etwa rein sozialpolitisch im engeren Sinne des Wortes zu werden. Umfaßt doch sein Aufgabenkreis neben der Sozialpolitik im engeren Sinne auch Gebiete, die stark an das Wirtschaftliche heranreichen, wie die Wohnungsgesetzgebung und die Siedlungsangelegenheiten, soweit sie Reichssache sind. Auch die Reichsaufgaben der Wohlfahrtspflege sind dem Arbeitsministerium anvertraut. Im einzelnen behandelt das Werk die Entwicklung des Reiobsarbieitsministeriums, Arbeitsrecht, Arbeitsschutz, Lohnpolitik und Schlichtungswesen, Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung, Sozialversicherung, Reichsversorgung und soziale Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene, Reichsfürsorgerecht, Wohnungs- und Siedlungswesen, schließlich Deutschlands Stellung in der internationalen Arbeitsorganisation. Der Ausbau dieser Arbeitsgebiete hat in vielen Fällen erst nach dem Kriege eingesetzt. Die Kürze der Zeit, in der er erfolgte, ist, wenn man sie mit den jahrzehntelangen Kämpfen vergleicht, in denen vor dem Krieg die Arbeiterschaft vergeblich die Errichtung eines Arbeitsamtes erstrebte, besonders hervorzuheben. Sicherlich bleibt noch vieles zu tun, Einzelnes und Grundsätzliches. Was bislang geschehen ist, kann nur ein Ausgangs-, nicht ein Ruhepunkt sein. Denn immer wieder steht im Mittelpunkt eines Reichs-„Arbeitsu- Ministeriums der wichtigste, aber auch anspruchvollste Produktionsfaktor eines Volkes: die Arbeitskraft Go. Robert Michels, Sittlich keit in Ziffern? Kritik der Moralstatistik. Verlag Duncker & Humblot. 1928. Michels unternimmt es, wie immer in überaus interessanter und lebendiger Weise, schöpfend aus reichen internationalen Quellen, die Grenzen jeglicher Moralstatistik, die als Wissenschaft auftreten kann, aufzuzeigen. »Wie unschätzbar bei vorsichtiger und sachgemäßer Handhabung die Verdienste der Statistik auf vielen Gebieten zweifellos sind, auf dem Gebiete der Sexualstatistük stehen wir vor der Tatsache, daß die unendliche Hauptmasse der Erscheinungen sich dem groben Instrument der Statistik völlig entzieht« (S. 272). Der Kampf, den Michels insbesondere gegen die Folgerungen aus den Ziffern der Moralstatistik auf die moralische Höhe oder Tiefe eines Volkes führt, wird dargetan am Problem des unehelichen Kindes. Er zeigt das völlig unzulängliche Bild, fem jeder bündigen Schlußmöglichkeit, das die Kriterien der iSexualstatistik und die aus ihnen folgenden Ziffern ergeben; er verfolgt das OProblem in seiner ganzen Breite, sowohl in seinen Grenztypen, die oft eine andere, gegenteilige Deutung zulassen, als auch in sinen »normalen« Fällen. Ausgangspunkt bleibt leider jedoch auch für Michels die von vornherein gesetzte Minderibewertung des unehelichen Kindes in moralischer Beziehung. Mit der Möglichkeit der Ablehnung dieses Ausgangspunktes ist zugleich die Ablehnung der gesamten Fragestellung und Untersuchung gegeben, als zu stark an der gegenwärtigen (staatlich-ökonomischen) Bewertung des unehelichen Kindes orientiert. Mit dieser möglichen Feststellung wird natürlich die geführte Kritik der herrschenden Moralstatistik nicht entwertet. Kr. Dr. Joseph Bee'king, Familien- und Anstaltserziehung in der Jugendfürsorge. Studien zur Katholischen Sozial- und Wirtschaftsethik. I. Band. Freiburg 1925, Herder & Co. Dr. theol. Joseph Beeking — Generalsekretär im Deutschen Caritasverband — 'bezeichnet es als wichtige Aufgabe der Caritaswissenschaft, die Frage der Jugendwohlfahrtspflege vom christlichen Standpunkt aus zu klären, denn »bereits machen sich in wissenschaftlichen Kursen und in Veröffentlichungen der Wohlfahrtspflege wiederholt Auffassungen geltend, die man nicht anders als neuheidnisch bezeichnen ikann«. Im vorliegenden Buch beleuchtet er unter diesem Ge- 261