Mannheim
Compact Memory

Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-06-01 · 12 (Juni 1929) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
12 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2709108-2709128-2709139--521-2709715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

men sie wohl Bankkredit in Anspruch, so daß sie durch die hohe Verzinsung in ihrer Betätigung wesentlich beeinträchtigt sind. Für sie gelten auch die Ausführungen, die weiter unten bezüglich des Viehhandels gemacht werden. 2. Die Lage des Händlers mit Rindvieh hat sich, soweit er mit Zuchtvieh handelt, etwas konsolidiert. Abnehmerin ist hier die Landwirtschaft; ihr Bedarf hat sich gegenüber der Friedenszeit wohl kaum gemindert. Der Händler vermittelt hier den Güteraustausch und erfüllt damit eine wirtschaftliche Funktion, die nicht ausgeschaltet werden kann. Man hat auch hier versucht, den Händler zu beschränken oder gar auszuschalten. Die Art des Viehgeschäftes ist aber derart, daß das schwer möglich ist. Getreide, Fabrikate aller Art sind in sich gleichartig, so daß sie gemeinsam eingekauft oder gemeinsam verkauft werden können. Beim Vieh gleicht kein Stück in seinen Eigenschaften und in seinem Wert dem anderen; jedes Stück muß individuell beurteilt und behandelt werden. Hier nützt weder dem Produzenten noch dem Käufer ein Zusammenschluß mit dem anderen. Der Viehhändler, der auf eine lange Erfahrung zurückblickt, kann deshalb nur schwer ausgeschaltet werden. Dazu kommt, daß das Viehgeschäft auch mit vielen Gefahren und Widerwärtigkeiten verbunden ist, die ein großer Betrieb kaum meistern kann. Es mag nur hier verwiesen werden auf die Seuchengefahr, die nicht nur die schwersten Verluste bringen kann, die vielmehr auch oft Wochen, ja Monate hindurch in der Vergangenheit eine Gegend vollständig lahmgelegt hat. Der Beruf als Viehhändler ist hiernach kein angenehmer und bringt viele Gefahren und Schwierigkeiten mit sich; andererseits bietet er aber zahlreichen Familien den Unterhalt; er entspricht auch infolge der jahrhundertelangen Hebung vielfach unserer ländlichen Bevölkerung. Wenn man die Juden auf dem Land erhalten will, dann muß man den Viehhandel erhalten und unterstützen. Die Ueberführung der Bevölkerung in den kaufmännischen Beruf oder in das Handwerk hat eine weitere Entvölkerung des Landes zur Folge. Wer die Landflucht aus irgendwelchen Gründen nicht will, muß sich hiernach mit der Tatsache abfinden, daß ein erheblicher Teil der Landbevölkerung den Beruf als Viehhändler ausübt, und er muß, wenn er Hilfe leisten will, auch den Viehhändler unterstützen. Dazu wird man sich umsomehr entschließen können, als man doch hoffen darf, daß ein Teil der Gefahren, die mit dem Handel verbunden sind, mit der Zeit doch beseitigt werden kann. Eine wesentliche Verbesserung scheint schon dadurch eingetreten zu sein, daß die Händler sich zusammengeschlossen haben und manches vertragsmäßig regeln. Vor allem darf man aber auch hoffen, daß es der Wissenschaft über kurz oder lang gelingt, die Gefahr der Maul- und Klauenseuche zu mindern; wenn das möglich sein sollte, dann würde damit eine große Gefahrenquelle beseitigt, und es würde vor allem auch die Veranlassung zu den scharfen gesetz- 249

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.