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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-05-01 · 11 (Mai 1929) · page 8

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
11 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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daß der freie Arbeitsmarkt für diese Kräfte nicht immer schnell genug aufnahmefähig und auch nicht immer geeignet ist, sind die von der jüdischen Gemeinde unterhaltenen Arbeitsfürsorgeeinrichtungen Peah und Nähstube in weitestem Maße nutzbar gemacht worden. Damit war gleichzeitig die Möglichkeit gegeben, Arbeitsfähigkeit und Arbeitswilligkeit der Befürsorgten zu prüfen. In diesem Zusammenhang war es auch außerordentlich wichtig und segensreich, daß die jüdische Gemeinde in weit größerem Maße als in den Vorjahren jüdische Arbeitskräfte auf dem Friedhof in Weißensee beschäftigte. — Dessen ungeachtet sind sicher die Beschäftigungsmöglichkeiten, die durch die Gemeinde erschlossen werden könnten, bei weitem nicht ausgenützt; hier bleibt noch manches zu klären, manches Vorurteil zu überwinden. Die Vermittlungstätigkeit des Arbeitsnachweises gestaltete sich in den einzelnen Abteilungen je nach Jahreszeit und Wirtschaftslage ganz verschiedenartig. Am ungünstigsten war der Arbeitsmarkt für männliches kaufmännisches Personal, für Angestellte und Bürokräfte. Daß kaufmännisches Personal jeder Art im Alter von über 40 Jahren kaum noch untergebracht werden kann, ist eine allgemein bekannte Tatsache, die sich leider auch in unserer Arbeit bestätigt hat. Aeltere qualifizierte Kräfte, insbesondere Bilanz-Buchhalter, Prokuristen konnten nur vereinzelt in Stellung gebracht werden. Etwas reger war der Bedarf an jungem Kontorpersonal, jedoch wurden fast immer Kenntnisse in Stenographie und Maschinenschreiben gefordert. Die stärkste Nachfrage bestand für junge Verkäufer im Einzelhandel; doch war die Beschäftigung häufig nur von kurzer Dauer je nach der Konjunktur der betreffenden Branche, was stets eine starke Fluktuation gerade dieser Kräfte zur Folge hatte. Aeußerst ungünstig war die Wirtschaftslage für Lageristen und Expedienten der Engrosbranche. Selbst junge Kräfte konnten nur schwer vermittelt werden; fast noch schlechter waren die Arbeitsmöglichkeiten für Einrichter, Expedienten der Damenkonfektion, die vielfach nach Ablauf der Lehrzeit entlassen wurden und selten in der gleichen Branche Stellung finden konnten. Hier mußte von Fall zu Fall eine Umleitung in den Einzelhandel vorgenommen werden. Den zahlreichen Stellenangeboten für Vertreter und Reisende stand keine Nachfrage gegenüber. Für derartige Posten, die fast ausschließlich gegen Provision ausgeübt werden sollen, wird nur selten ein festes Gehalt geboten. Der Arbeitsuchende ist jedoch wirtschaftlich nicht in der Lage, eine Stelle, die günstigenfalls nach monatelanger Arbeit gewinnbringend sein kann, anzunehmen, zumal auch dann in den weitaus meisten Fällen nur knapp das Existenzminimum erzielt wird. Es ist sicher, daß durch die obengenannten besonderen Umstände trotz großer Arbeitslosigkeit manche Erwerbsquelle ungenützt bleibt. Nachstehend eine kurze Uebersicht über die Meldungen und über die Vermittlungstätigkeit in der kaufmännischen männlichen Abteilung. 224

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