Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 11 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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vorübergehende Erscheinung, sondern um einen Strukturfehler der Organisation. Arbeitsfähige Arbeitslose gehören als Marktpartei in die Organisation des Arbeitsmarktes, nicht zu den Fürsorgestellen. Vor dieser Notwendigkeit müssen sich der Tätigkeitsdrang der Kommunen, wie auch die Ausbreitungstendenzen privater Fürsorgeeinrichtungen beugen. Nur durch Ueberführung zum Arbeitsamt (Ausbau der Krisenunterstützung!) wird den arbeitsfähigen Wohlfahrtserwerbslosen zu helfen sein, nur so werden den Fürsorgestellen die ihnen wesensfremden Aufgaben abgenommen werden, nur so allein wird die notwendige Klarheit über die wirkliche Lage des Arbeitsmarktes gewonnen werden können. DIE TÄTIGKEIT DER BERLINER ARBEITSGEMEIN¬ SCHAFT DER JÜDISCHEN ARBEITSNACHWEISE IM JAHRE 1928 VON GERTRUD PROCHOWNIK, BERLIN Wirtschaftslage und Arbeitsmarkt standen im Jahre 1928 unter dem Zeichen rückläufiger Konjunktur und zunehmender Arbeitslosigkeit. Welch wichtige Funktionen in diesen schwierigen Wirtschaftsverhältnissen jüdische Arbeitsnachweise erfüllen, beweist der Bericht der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Arbeitsnachweise Berlins für 1928. Die Arbeitsgemeinschaft hat im Jahre 1928 mit starkem Erfolg gearbeitet*) und das Vertrauen, das man ihr von allen Seiten entgegenbrachte, gerechtfertigt und vertieft. Daß sie trotz der verschlechterten Wirtschaftslage insgesamt 2.588 männliche Vermittlungen 2.972 weibliche 5.560 Vermittlungen erreichen konnte, ist das beste Zeugnis für den Wert ihrer Arbeit. Die absinkende Wirtschaftskonjunktur im Berichtsjahre 1928 stellte den Arbeitsnachweis vor besonders große Schwierigkeiten, waren es doch wieder in der Hauptsache jüdische Arbeitnehmer, insbesondere jüdische Angestellte, die zunächst und am schwersten von der Wirtschaftskrisis betroffen wurden. Die Rücksprache mit den im Arbeitsnachweis sich meldenden Arbeitsuchenden ergab, daß bei Personalabbau vielfach nur oder in erster Linie jüdische Arbeitsuchende zur Entlassung kamen. Wiederholt wurde vom Arbeitsnachweis und von den mit ihm zusammenarbeitenden Organisationen in aller Oeffentlichkeit auf diese Boykottbewegung gegen den jüdischen Arbeitnehmer hingewiesen. Die vergangene Arbeitsmarktperiode bestätigte abermals diese nicht ernst genug zu nehmende Tatsache. In Erkenntnis dieser Sachlage hat der jüdische Arbeitsnachweis die stärksten Anstrengungen gemacht, um dieser für das Gesamtjudentum so ungünstigen Entwicklung entgegenzutreten und weiteste jüdische Kreise über die katastrophale Lage der jüdischen Arbeitslosen aufzuklären. *) Für die Jahre 1926/27 vgl. Jahrgang I,, Nr. 7, S. 126 ds. Zeitschrift 222