Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 10 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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größerem Umfange handwerklichen Berufen zustrebt. Es ist keine Ueberireibung, wenn heute bereits festgestellt wird, daß das Handwerk unter den Juden in den kommenden Jahren •eine bedeutsame Entwicklung zeitigen wird. Die jüdischen Handwerker, die seit jeher den Gedanken der produktiven jüdischen Arbeit hoch gehalten ha- ^en, stehen überall in den ersten Reihen derer, die an der Förderung der Broduktivierung der jüdischen Bevölkerung tatkräftig mitarbeiten. Die Lage der jüdischen Handwerker selbst ist heute noch nicht genügend gefestigt. Sie sind in dem Kampf um ihre Existenz sehr häufig in einer viel sohlechteren Position als ihre nicht jüdischen Fachgenossen, lind zwar deshalb, weil sie ungemein stark unter den Verdrängungserscheinungen, denen die Juden in der Wirtschaft überall ausgesetzt sind, zu leiden haben. Nichtjüdische Unternehmer erteilen ihnen selten Aufträge, bei den Lieferungen für Staat und Kommune sind sie sehr oft im Nachteil. Die jüdischen Handwerker haben längst erkannt, daß auch sie nur auf dem Wege der Organisation, des Zusammenschlusses aller Kräfte für die Sicherung ihrer Existenz und den wohlverdienten wirtschaftlichen Aufstieg kämpfen können. Die Idee der Organisation des jüdischen Handwerks hat in den letzten Jahren zahlreiche Freunde gefunden. In fast allen Ländern der jüdischen Siedlung Ost- und Mitteleuropas sind kräftige j üdische Handwerkerorganisationen entstanden. Aus der Idee der Selbsthilfe und des Eintretens für einander erwächst eine kraftvolle jüdische Handwerkerbewegung. Die gemeinsame Not und die gemeinsamen Sorgen der jüdischen Handwerker in den verschiedenen Ländern lassen den Zusammenschluß der verschiedenen jüdischen Handwerkerorganisationen zu einem Weltverband des jüdischen Handwerks notwendig erscheinen. Als Aufgaben eines solchen kämen in Betracht: 1. Zusammenfassung aller jüdischen Handwerkerorganisationen zu einem Welt verband deir jüdischen Handwerker. 2. Gesamtvertretung der jüdischen Handwerker bei allen jüdischen Organisationen und allgemeinen Berufsvereiniigungen, insbesondere bei jenen, die für die Broduktivierung der Juden tätig sind. 3. Schaffung und Ausbau von Krediteinrichtungen und Genossenschaften für die jüdischen Handwerker a) in den Ländern durch Errichtung von Kreditgenossenschaften, b) durch Zusammenschluß dar verschiedenen genossenschaftlichen Krediteinriöhtungen des jüdischen Handwerks zu einer großen Zentralbank, mit der Aufgabe der zentralen Regelung der Kredit Versorgung der einzelnen Genossenschaftsbanken, c) gemeinsamer und dadurch verbilligter Einkauf von Maschinen und Material, eventuell Uebernahme des Exports bestimmter, im Handwerk verfertigter Waren. 4. Schaffung von Berufs-Arbeitsgemeinschaften zwecks Austausch der beruflichen Erfahrungen und Verbesserung der Produktion und Arbeitsmethoden. 5. Schaffung einer Beratungsstelle für Wirtschaft und Technik im Handwerk. 6. Förderung der Lehrlingsausbildung. Studium der Wirtschaftslage deir verschiedenen Berufe zwecks Zuführung der jüdischen Jugend zu jenen Berufen, die handwerklich heute noch als aussichtsreich angesehen werden. 7. Veranstaltung von Talgungen der jüdischen Handwerker zwecks Austausch von Meinungen und Erfahrungen sowie zwecks Ausbau der Organisationen und Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Handwerkern der verschiedenen Länder." Entwicklung der jüdischen Volks* bank Iwria Der Vorstand der auf genossenschaftlicher Grundlage stehenden Volksbank IWRIA veröffentlicht soeben den Bericht über das erste Geschäftsjahr, das eine Zeitspanne von wenig mehr als 9 Monaten umfaßt. Mit Befriedigung wird festgestellt, daß das junge Unternehmen seine Existenzberechtigung bewiesen hat. Der Gründung der Genossenschaft lag der Gedanke zu Grunde, jüdischen Kaufleuten und Handwerkern, 2Ö8