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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-04-01 · 10 (April 1929) · page 22

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
10 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Arbeitsvermittlung ergibt als wichtigstes Resultat die Tatsache, daß das «rstrebte Monopol des öffentlichen Arbeitsnachweiswesens einstweilen nicht nur nicht erreicht, sondern noch nicht einmal angenähert ist. -Zwar hat sich di3 Zahl deo* Vermittlungen bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen von 1907 bis 1928 von 1,441.506 auf 6,206.279 etwa vervieriacht (die der nicht gewerbsmäßigen Arbeitsnachweise ist in der Berichtszeit im gleichen Maße gestiegen). Diese Vermittlungen betragen jedoch nur einen Bruchteil des tatsächlichen Stellenwechsels. Eine sicherlich zu noch gegriffene Veranschlagung der Reichsanstalt glaubt mit einer 25prozentigen Beherrschung des allgemeinen Stellenwechsels rechnen zu können. Auf diesem Gebiete der Arbeitsvermittlung machen sich äie Schwierigkeiten der Uebernahme der vielen •örtlich verschiedenen Arbeitsnachweise in die Reichsanstalt störend bemerkbar. Die Schwierigkeiten sind hier noch lange nicht überwunden. Als besonders geförderte Vermittlungszweige werden die landwirtschaftliche Arbeitsvermittlung und die Angestelltenvermittlung bezeichnet. Die Zahl der landwirtschaftlichen Vermittlungen hat man 1928 nm 41.000 steigern können. Die Angestelltenvermittlung ist in den letzten Jahren lebhaft angewachsen. Sie hat sich mehr als verzwanzigfacht. Auch die Arbeitsvermittlung für Erwrerbsbeschränkte gehört heute allgemein zum Arbeitsamt. Die Reichsanstalt erstrebt, in allen größeren und mittleren Städten besondere Erwerbsheschränktenabteilungen einzurichten und mit den Wohlfahrtsbehörden, den Behörden des Strafvollzugs und den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege Vereinbarungen zu treffen, die dem Arbeitsamt die sachverständige Mitarbeit aller Stellen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege sichern. 3. Berufsberatung und ^LehrstellenVermittlung. Die Lrehrstellenvermittlung stellt sich, sozialpolitisch gesehen, als eines der günstigsten Arbeitsgebiete der Reichsanstalt da«r. Macht sich doch ab 1928 der Geburtenausfall im Kriege "bemerkbar. Schon im Berichtsjahr 1927/28 hat zeitweilig das Angebot an Lehrstellen die Nachfrage überschritten. Allerdings liegt dies Ueberangebot nur für bestimmte Berufe vor. Ein ungedeckter Lehrlingsbedarf findet sich insbesondere in Former-, Gießer-, Dreher-, Werkzeugmacher¬ und Schmiedeberufen. Der Drang zur landwirtschaftlichen Arbeit ist erstaunlich stark. Ein ganz geringer Zudrang — bei der ungünstigen Arbeitsmarktlage der kaufmännischen Angestellten nicht verwunderlich — besteht für die kaufmännischen Berufe, dem ein hohes Lehrstellenangebot, wenigstens für Knaben, geigenübersteht. Die öffentliche Berufsberatung ist im wesentlichen eine Einrichtung der Großstädte. Eine allgemeine Berufsberatung durchzuführen, sieht sich die Reichsanstalt einstweilen noch nicht in der Lage. Sie appelliert an die Mitarbeit neben- und ehrenamtlicher Kräfte, betont die Pflege der Zusammenarbeit mit anderen Stellen. 4. Arbeitslosenversicherung. Die Arbeitslosenversicherung umfaßte im November 1928 17,057.877 Personen. 5. Die Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsaufnahme sollen dazu dienen, den Arbeitslosen an die vorhandene reguläre Arbeitsgelegenheit heranzubringen. Diese Hilfsmaßnahmen sind unter Umständen auch für solche Personen zulässig, die die Arbeitslosenunterstützung nicht beziehen. Die Hoffnung, durch berufliche Fort- und Umschulung eine erhebliche Entlastung des Arheitsmairktes zu erzielen, hat sich nicht erfüllt. Günstige Erfahrungen im Einzelfall ließen sich nicht verallgemeinern. 6. Die wertschaffende Arbeit slosen fürs orge (früher produktive Erwerbslosenfürsorge) bietet die Möglichkeit zur Förderung von Maßnahmen, die (geeignet sind, die Arbeitslosigkeit zu verringern, Mittel der Versicherung und zur Verstärkung dieser auch Reichs- und Landesmittel heranzuziehen. Im Wege der durchschnittlich nach 4 Monaten durchgeführten Auswechslung der Arbeitskräfte hat die wertschaffende Arbeitslosenfürsorge im abgelaufenen Jahre 202.300 Arbeitslosen auf je vier Monate Arbeit und Verdienst gegeben. Die Zahl der insgesamt geleisteten Tagewerke bleibt jedoch hinter den Ergebnissen früherer Jahr© zurück. Straßenbauten und Tiefbauten stehen wie gewohnt im Mittelpunkt. 206

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