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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-04-01 · 10 (April 1929) · page 21

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
10 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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RUND SCHAU Eister Bericht dei Reichsanstalt füi Arbeitsvermittlung and Arbeitslosenversicherung Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ist bekanntlich mit dem Gesetz über Arbeitevermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 16. Juli 1927 als Zentralbehörde zum Zwecke der einheitlichen Organisation der Arbeitsvermittlung und der Berufsberatung1, für den Ausgleich der Arbeitsmärkte und für die einheitliche Handhabung der gesamten Arbeitslosenf ürsorge ins Leben gerufen worden. Sie hat ihre Tätigkeit, die am 1. Oktober 1927 begonnen hat, erst nach und nach erweitern und festigen können, da sich die Eingliederung der Arbeitsnachweisämter in die Reichsanstalit stufenweise vollzogen hat. Trotzdem hat sie sich entschlossen, schon jetzt mit einem Tätigkeitsbericht an die Öffentlichkeit zu treten (für die Zeit vom 1. Okt. 1927 bis 31. Dez. 1928). Dieser Schritt ist umso begrüßenswerter deshailb, weil zusammenfassende Tätigkeitsberichte der bisherigen Arbeitsnachweisorganisation nicht vorliegen. Aus diesem Grunde ist es auch zu erklären, daß der Bericht auf manchen Gebieten zeitlich weiter zurückgreift, was ihm jedoch nur zum Vorteil gereicht und seine Lektüre zu einer außerordentlich interessanten und lehrreichen gestaltet. Der sehr umfangreiche Bericht — er umfaßt mit einer Reihe eingefügter Tabellen, einem Verzeichnis aller Aemter der Reichsanstalt und einem Verzeichnis der Mitglieder und Stellvertreter des Verwaltungsrates 87 Quartseiten ist als Beilage zum Reichsarbeitsblatt Nr. 6 vom 25. Februar 1929 erschienen. Der Bericht brinisrt zunächst eine Darstellung des Arbeitsmarktes vom Oktober 1927 bis Dezember 1928. Er schildert dann eingehend die Arbeitsvermittlung, geht auf die Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung ein, untersucht die Arbeitslosenversicherung nach den verschiedensten Gesichtspunkten. Die Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsaufnahme, die wertschaffende Arbeitslosenfürsorge sind besonders hervorgehoben. Die Organisation der Reichsanstalt wird eingehend erläutert, zum Schluß werden die Finanzen der Reichsanstalt mit einem Vergleich der Einnahmen und Auagaben klargestellt. Die gesamten Ausführungen werdendurch eine Reihe von Statistiken aufs beste illustriert. Auch im Text selbst sind häufig Tabellen und graphische Darstellungen eingestreut, die die Lektüre erleichtern und vertiefen. 1. Der A r b e i t s m a r k t. Die Reichsanstalt beurteilt das Gesamtbild des Arbeitsmarktes nach der Zahl der arbeitsuchenden Personen. (Man muß jedoch berücksichtigenY daß nicht alle arbeitsuchenden Personen als arbeitslos zu betrachten sind!) Die Lage im September 1927 — Tätigkeitsbeginn der Reichsanstalt — war mit 867.367 Arbeitssuchenden besonders günstig. Es wurden Arbeitsuchende gezählt: Dezember 1927 .... 1,926.012 März 1928 .... 1,673.111 Juni 1928 .... 1,207.410 September 1928 .... 1,157.589 Dezember 1928 .... 2,545.383. In dieser Entwicklung spiegeln sich sowohl die Saisoneinflüsse wie der Konjunkturverlauf, den man in Anbetracht der erheblichen Verschlechterung des Arbeitsmarktes als durchaus rückläufig bezeichnen muß, wie auch strukturelle Aenderungen wider. Als strukturelle Veränderung ist der Wandel in der Zahl und im Altersaufbau der Erwerbstätigen zu betrachten. Die Zunahme der Erwerbstätigen ist sehr beträchtlich. Sie ist bis 1931 mit jährlich ca. 400.000 einzusetzen. Die Reichsanstalt schreibt: „Während es die wichtigste Aufgabe der Volkswirtschaft ist, den Bevölkerungszuwachs aufzunehmen und unterzubringen, hat sie diese wesentliche Aufgabe im Sommer und Herbst 1928 anscheinend nicht erfüllen können.4' Diese Bemerkungen dürften zu denken geben. Interessant ist die Verteiluni? der Arbeitslosigkeit im Reich. Die größte d ur chs chn i ttli ch e Jalrre sbel a stung wiesen Schlesien und Bayern auf. Es foVo™ unmittelbar das Rheinland und Hessen. Am günstigsten erscheint Südwestdeutschland. 2. Arbeitsvermittlung. Die vergleichende Darstellung über die 205

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