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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-04-01 · 10 (April 1929) · page 17

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
10 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Zentrum, um das sich die Frage des jüdischen FlüchtdingsproWenis -konzentriert. Ich habe im Arbeiterfürsorgeamt in Deutschland begonnen, -dieses Flüchtlingsproblem zu studieren. Nicht nur Flüchtlinge ans Rußland kamen nach Deutschland, sondern aus allen Ländern, in denen eine neue Elendsperiode für die Juden anbrach. Speziell z. B. nach dem Lemberger Pogrom kamen viele tausend Polen nach Deutschland. Auch die Verfolgungen in Ungarn haben zu einer vermehrten Auswanderung geführt. Später habe ich dann in Polen Gelegenheit gehabt, die jüdischen Wanderer zu sehen, speziell die jüdischen Repatrianten, die in den Quarantänelagern von der polnischen Regierung aufgenommen waren. Auch in Südrußland und in Konstantinopel hatte ich Gelegenheit, die Menschen und die Tatsachen näher zu betrachten. Bei anderer Gelegenheit sah ich das Problem in den Häfen: Danzig, Riga, wiederum in Konstantinopel. Dies geschah in den Jahren 20/21 bis 25/26; die letzten Reste dieser Flüchtlingsmassen finden wir heute noch in Beßarabien und in einigen Hafenorten. Ich möchte Ihnen nunmehr ein paar Worte über die politische Frage dieser Wanderung sagen. Sie zerfällt in zwei Teile: 1. handelte es sich um die Stellungnahme der Regierungen der Länder, durch die die Flüchtigen hindurchgingen, und 2. um die Stellungnahme der eigentlichen Immigrationisländer. Beide politischen Fragen hängen eng zusammen. In der ersten Zeit, als die Verhältnisse in Europa noch ziemlich chaotisch waren, haben die Regierungen der Länder, die später sehr scharfe Maßnahmen gegen die jüdischen Flüchtlinge ergriffen haben — wie Rumänien und Polen — eine verhältnismäßig wohlwollende Haltung eingenommen. Immerhin waren sie damals bereit, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Aus Erzählungen vieler einzelner Flüchtlinge sind die traurigen und erschütternden Einzelheiten dieser Flucht «aus Rußland bekannt geworden. Wir können uns schwer ein Bild von dem Zustand machen, in dem damals Tausende von Juden über die russischen Grenzen kamen. Beim Uebergang über den Zbrucz, dem Grenzfluß zwischen Galizien und der Ukraine, den Dnjestr, der Grenze zwischen Beßarabien und Sowjet-Rußland, ist damals viel jüdisches Blut geflossen. Ich erinnere Sie an die Aufsätze von Koigen im „Juden" über die Flucht der jüdischen Intelligenz aus Rußland, in denen er die unsäglichen Mühen, Entbehrungen und Qualen der jüdischen Intellektuellen auf ihrer Flucht schildert. Aber man muß objektiv zugeben, daß im allgemeinen in den ersten Jahren die politische Einstellung der Regierungen dieser Länder eine erträgliche war. Natürlich haben dazu die Einwirkungen des Westjudentums, vor allem auch des amerikanischen, beigetragen. Das Westjudentum hat durch seine großen Organisationen wie Joint, loa, Joint-Welthilfskonferenz, des Joint Foreign Committee des Hilfs- und politischen Board of 4 Deputies, des American Jewish Committee, des speziell für diesen Zweck geschaffenen Arbeiterfürsorgeamtes einen Einfluß auf die Stellung gegenüber den Repatrianten nehmen können. Das Problem der Repatrianten hängt eng zusammen mit der Frage der 201

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