Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 10 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ger stehenden Leuten bedeutet keine allzu großen Schwierigkeiten. Man wird mit leiser Hand soziale Bedürfnisse befriedigen müssen, jedoch nie scharfe Gegensätze schaffen, die man gern vermeidet. Es handelt sich um Arbeit mit mancherlei Möglichkeiten, um Menschen mit verschiedensten Anlagen und aus verschiedensten Herkommen. Es verbindet sie die gemeinsame Art und das gemeinsame Ziel. Das Ziel aber ist: Wiedereintritt in das Erwerbsleben. Der Andrang zu solchen Einrichtungen wie den Arbeiterkolonien ist immer stärker geworden. Dadurch ist bewiesen, daß die Einrichtung der Arbeiterkolonie wirtschaftlich, erzieherisch und fürsorgerisch begründet ist. Der Grundsatz: erst der Mensch und dann die Wirtschaft ist überall durchzuführen. Einer kleinen Kolonie, deren Leiter nicht so leicht die großen fürsorgerischen Linien kennen lernt, kann sehr leicht die Wirtschaft als erste Aufgabe erscheinen. Die verantwortlichen Träger und Führer müssen den Leiter darum immer wieder anregen, weiter ausbilden, ihn mit den großen Linien und Aufgaben bekanntmachen. * Es hat sich ergeben, daß die wirtschaftlichen Leistungen unantastbar sind und Millionenwerte geschaffen wurden. Auch die sozialen Erfolge und die Vermittlungen in Arbeit sind viel größer, als man denkt. Rund 40 Prozent der Insassen konnten direkt ins Erwerbsleben überführt werden. Von vielen andern kann es statistisch nicht nachgewiesen werden, ist aber anzunehmen. So hat der Aufenthalt in der Anstalt vielen Menschen über wirtschaftliche und seelische Nöte hinweggeholfen. Die Frage der jüdischen Wanderer verlangt besondere Aufmerksamkeit. Können wir unter diesen Menschen herausfinden, die geeignet sind, in einem solchen Heim zu bleiben, und die gewillt sind, Erdgeruch mit Freude zu erleben? Ich glaube, daß verhältnismäßig unter den jüdischen Arbeitern weniger Menschen geeignet sind als unter den übrigen deutschen Wanderern. Dennoch sind sicherlich viele Menschen zur Arbeit in der Arbeiterkolonie geeignet. Der Gedanke einer Arbeiterkolonie muß also in die Tat überführt werden. Sicherlich ist zu empfehlen, gewerbliche Betriebe mit den landwirtschaftlichen zu verbinden. Man kann im Winter darauf zurückgreifen, eine Fülle von Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen und so den verschiedenartigen Ansprüchen aller derer gerecht werden, die dorthin kommen. Man hilft dem Menschen wirklich und nachhaltig, wenn man ihn zur Freude an der Arbeit führt. Das aber ist unser Dienst in den Kolonien, daß recht viele Menschen durch den Segen der Arbeit gestärkt werden, um das zerfahrene und in Unordnung geratene Leben wieder mit eigener Kraft aufzubauen. 199