Mannheim
Compact Memory

Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-04-01 · 10 (April 1929) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
10 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2709108-2709128-2709137--467-2709659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

S.Adler-Rudel, Dr. Oskar Cohn und Wilhelm Markus- Berlin gewählt. Die Tagung erhielt ihr besonderes Gewicht durch drei Referate von Dr. Werner S*enator-Berlin, Frau Siddy Wronsky- Berlin und Pastor Braune -Hoffnungstal, die wir im folgenden ihrer grundsätzlichen Bedeutung wegen inhaltlich wiedergeben. Der zweite Tag der Tagung war einer Aussprache aller in der Wanderfürsorge tätigen Beamten gewidmet. Im Anschluß an ein einleitendes Referat von Chassel-Hamburg, das eine Fülle praktischer Fragen zur Erörterung stellte, wurden zahlreiche Einzelfragen der täglichen Arbeit erörtert. Zur Wanderungsfrage wird festgestellt, daß gerade in letzter Zeit zahlreiche alte Menschen sich auf der Wanderung befinden, für die keine Stelle durchgreifend sorgt. Es ist unter allen Umständen erforderlich, daß die Provinzialverbände bei alten und arbeitsunfähigen Menschen mit dem Abschiebungssystem Schluß machen. Jüdische ortsansässige Arbeitslose dürfen nicht auf Wanderschaft geschickt werden. Es kann nicht Aufgabe der Wanderfürsorge sein, die jüdische Ortsfürsorge durch Fahrkartenausgabe zu entlasten. Man muß im Einzelfall bestrebt sein, der Ortsfürsorge klar zu machen, daß das Abschiebungssystem Arbeitsloser die unproduktivste Fürsorge ist. Es wird in diesem Zusammenhang mit Bedauern festgestellt, daß viele Provinzialstellen kein eigenes Asyl besitzen, was einzelnen Provinzialstellen Veranlassung gibt, sich nicht immer von fürsorgerischen Gesichtspunkten bei Beurteilung der Notwendigkeit einer Weiterbeförderung leiten zu lassen. In Bezug auf eine vorgeschlagene Zentralverrechnung aller Provinzialstellen durch die Hauptstelle sollen noch einmal alle in Aussicht genommenen Möglichkeiten geprüft werden. Das gegenwärtige System der Meldelisten wird im allgemeinen gutgeheißen, doch wird darauf hingewiesen, daß alle Stellen pünktlichere und genauere Angaben machen müssen. Man ist sich darüber einig, daß die Hauptstelle und alle Provinzialstellen zum Besuch von Gemeinden und Versammlungen, zu Unterhandlungen bei Behörden usw. die Reisekosten nicht scheuen sollen, obwohl der Verwaltungsetat der Hauptstelle und der einzelnen Stellen dadurch erheblich belastet wird. Im nächsten Tätigkeitsbericht der Hauptstelle soll der Versuch gemacht werden, über Erfolge der produktiven Tätigkeit der Gesamtorganisation im einzelnen Bericht zu erstatten. Des weiteren soll erneut der Versuch gemacht werden, die jüdische Oeffentlichkeit darüber aufzuklären, daß Empfehlungsschreiben prominenter und sonstiger Persönlichkeiten unter keinen Umständen Berücksichtigung finden, noch Einfluß auf die fürsorgerische Tätigkeit ausüben können. Ein Antrag von Direktor Katzenstein -Leipzig findet einhellige Billigung, wonach die Hauptstelle aufgefordert wird, ihre Bemühungen zur Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen über das Arbeitsrecht der Ausländer fortzusetzen. Schließlich wird noch die von verschiedenen Stellen, insbesondere von 188

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.