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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-04-01 · 10 (April 1929) · page 3

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
10 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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nicht ausgewiesen werden. Jeder durchgeführte und gelungene Fall der Produktivierung eines jüdischen Wanderers erfordert das Vielfache von dem, was die finanzielle Nachweisung aufzeigt. m Von besonderem Interesse waren die Ausführungen von Alfred B e r g e r -Berlin. Er bittet, die Arbeit der Hauptstelle etwas kritischer betrachten zu wollen, da sonst leicht die Gefahr eintreten könnte, daß die geleistete Arbeit allzusehr überschätzt wird. Die Statistiken der Hauptstelle weisen nach seiner Berechnung einen Fürsorgebetrag von 6 RM. pro Wanderer auf. Das ist zwar mehr, als sonst für den deutschen Wanderer ausgegeben wird, zwingt aber immerhin zu der Feststellung, daß die fürsorgerischen Maßnahmen nicht sehr durchgreifend sein können. Der allergrößte Teil der verausgabten Summe wird für Fahrkarten verwandt, was ebenfalls dafür spricht, daß viele Provinzialstellen sich ihrer fürsorgerischen Verpflichtung noch nicht bewußt geworden sind. Berger betont die Wichtigkeit aller Fragen der Berufsumschichtung, bittet jedoch, eine gesunde Skepsis ihnen gegenüber zu bewahren. Die Berufsumschichtung bildet auch eine gewisse Gefahr vom Standpunkt des Judentums aus. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Abkehr vom Judentum immer dort stattfindet, wo Juden aus der allgemeinen jüdischsoziologischen Schicht herüber- oder herunterragen. Solange die Beziehungen der Juden zum Arbeiter und Handwerker keine anderen sind, wird diesem Abwanderungsprozeß aus dem Judentum nicht Einhalt geboten werden können. So sind z. B. der beste Teil der ostjüdischen Arbeiter im Ruhrgebiet dem Judentum verloren gegangen. Berger steht den Fragen des Lehrlingsmangels in den Jahren 1930—1934 skeptisch gegenüber, wie er auch die Beurteilung der gegenwärtigen jüdischen Wirtschaftssituation in Deutschland für zu pessimistisch hält. Wir betrachten die Wirtschaftssituation zu sehr vom Standpunkt der Wohlfahrtspflege. Selbst wenn wir die jüdische Zukunft nicht zu schwarz malen, bleiben aber unsere Aufgaben doch noch schwierig genug; der allergrößte Wert müßte auf den Ausbau des jüdischen Arbeitsnachweiswesens gelegt werden, ohne den die Arbeit der jüdischen Wanderfürsorge immer wird Stückwerk bleiben müssen. Es kann als Ergebnis der sachkundigen Diskussion festgestellt werden, daß die Tendenzen der Hauptstelle, ihre Arbeit in arbeitsfürsorgerischer Hinsicht auszubauen, und ihre Forderung, alle Wege zur Produktivierung der jüdischen Wanderung zu gehen, allgemeine Billigung fanden. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt und die vorliegende Bilanz genehmigt. Der geschäftsführende Vorstand und der Reichsvorstand wurden wiedergewählt. Zum Bedauern der Versammlung ist Herr Legationsrat Professor Dr. Sobernheim- Berlin wegen Arbeitsüberlastung ausgeschieden. An seine Stelle ist der Vorsitzende des Wohlfahrtsausschusses im Preußischen Landesverbände, Herr Professor M. Türk-Berlin, getreten. Des weiteren wurden in den geschäftsführenden Vorstand die Herren 187

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