Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 10 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Folge, daß die fürsorgerischen Momente nicht immer und nicht üherall ausschlaggebend waren und heute zum Teil auch noch nicht sind. Alle organisatorischen Unternehmungen und Maßnahmen der Hauptstelle dürfen aher nur Grundlage der Fürsorge sein und nicht zum Selbstzweck werden. Die Erhaltung der Arbeitskraft der Wandemden und ihre Wiedereinordnung ins Wirtschaftsleben müssen Richtschnur aller fürsorgerischen Maßnahmen sein. Arbeitsstätten, Arbeiterkolonien und Arbeitsnachweise sind die «drei Gebiete, auf denen die Hauptstelle ihre besondere Tätigkeit entfalten muß. Die Arbeit der Hauptstelle war im letzten Jahr auf die Errichtung der Arbeiterkolonie konzentriert; die finanziellen Vorarbeiten sind nunmehr zum größten Teil so weit fortgeschritten, daß voraussichtlich noch in diesem Jahre mit der Errichtung der jüdischen Arbeiterkolonie gerechnet werden kann. Darüber hinaus wird die Arbeitsnachweistätigkeit in der kommenden Arbeitsperiode einen starken Ausbau erfahren. In den letzten zwei Jahren sind neue jüdische Arbeitsnachweise in Breslau, Köln und Dortmund gegründet worden. Im Anschluß an die Frage des Arbeitsnachweises muß den Fragen der Berufsberatung, Berufsumschichtung und Lehrstellenvermittlung erhöhte Beachtung geschenkt werden, da die Fragen der Wanderung nicht isoliert behandelt werden können, sondern nur im Gesamtrahmen einer geordneten Wohlfahrtspflege in besonderer Beziehung zur Jugendpflege und Jugendwohlfahrt. So werden die Jahre des Geburtenausfalls 1930—1934 die Möglichkeit geben, eine viel umfassendere und durchgreifendere Lehrstellenvermittlung zu treiben, als es bisher vielfach möglich war. An der sich dem Geschäftsbericht anschließenden Diskussion beteiligten sich die Herren: B e n j a m i n-Frankfurt, Alfred B e r g e r -Berlin, Chassel -Hamburg, Grün bäum -Hannover, Dr. Ollendorff -Berlin, Peiser -Stettin, Dr. Salomonski- Berlin und Wusznanski-Danzig. Alle Redner wiesen auf die schwierige jüdische Wirtschaftssituation hin und leiteten daraus die Forderung, daß die Hauptstelle ihr Arbeitsgebiet nicht zu eng fassen dürfe, sondern alle Fragen der Arbeitsfürsorge in ihren Arbeitskreis ziehen müßte. Es besteht Einmütigkeit darüber, daß die erste Pflicht der Hauptstelle nicht in einem System von Beförderungsmaßnahmen zu liegen hat, sondern daß unter allen Umständen und immer erneut der Versuch zur Produktivierung der Wanderung gemacht werden muß. Es wird darauf hingewiesen, daß es den bisher arbeitenden Provinzialarbeitsnachweisen noch nicht gelungen sei, in die kleineren Provinzgemeinden einzudringen, die sicherlich Möglichkeiten haben, Juden in ihre Betriebe einzustellen. Es wird weiterhin darauf aufmerksam gemacht, daß die im gedruckten Geschäftsbericht der Hauptstelle erschienene Statistik in vieler Hinsicht kein genaues Bild der fürsorgerischen Gesamtarbeit geben kann, da alle Provinzialstellen ihr Hauptaugenmerk darauf richten, öffentliche und private Mittel heranzuziehen, die für fürsorgerische Zwecke von ihnen verwandt, statistisch aber 186