Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 10 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ARBEITS- UND WANDERFORSORGE 2, Jahrg. APRIL 1929 Nr. 10 MITGLIEDERVERSAMMLUNG DER HAUPTSTELLE FÜR JÜDISCHE WANDERFÜRSORGE Am 17. und 18. März dieses Jahres fand in Berlin die Mitgliederversammlung der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge statt. In Anbetracht der außerordentlich schwierigen und komplizierten Probleme, vor die die Hauptstelle in den letzten Jahren gestellt war, wurde diesmal davon abgesehen, der Mitgliederversammlung einen repräsentativen Charakter zu geben. Sie war als eine reine Arbeitstagung aller in der Wanderfürsorge tätigen und führenden Persönlichkeiten gedacht. Dies kam auch schon in der Beschickung aus dem Reich darin zum Ausdruck, daß neben den offiziellen Vertretern der Landes- und Provinzialverbände fast sämtliche in der Wanderfürsorge beruflich tätigen Beamten erschienen waren. Nach Eröffnungsworten des Vertreters des Berliner Gemeindevorstandes, Eugen Caspary, der auch Worte des Gedenkens und der Trauer um den in der Wanderfürsorge hochverdienten Herrn L i e b e n f e 1 d, Bochum, sprach, wurden zu Vorsitzenden der Versammlung die Herren Alfred Berger, Berlin, und Rechtsanwalt Dr. Baum, Berlin, bestellt. In Ergänzung des gedruckt vorliegenden Geschäftsberichtes führten S. Adler-Rudel und Dr. Kreutzberg er aus, daß die im Geschäftsbericht veröffentlichten statistischen Uebersichten zu der Feststellung berechtigen, daß die Motive der gegenwärtigen jüdischen Wanderung in Deutschland zum größten Teil in der schwierigen wirtschaftlichen Situation der europäischen Judenheit zu suchen sind. Aus dieser Erkenntnis heraus resultiert für die Hauptstelle die Verpflichtung, viel stärker als bisher Versuche zur Produktivierung der Wanderung zu machen. Während vor dem Kriege 85—90 Prozent der jüdischen Wanderer Ausländer waren, verzeichnen wir heute zirka 30 Prozent Deutsche. Es handelt sich zum allergrößten Teil um arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen. Die Hauptstelle hat die ersten Jahre ihrer Existenz in der Hauptsache darauf verwenden müssen, den organisatorischen Rahmen für eine einheitliche fürsorgerische Arbeit innerhalb Deutschlands zu schaffen und auszubauen. Diese notwendig einseitige organisatorische Arbeit hatte zur 185