Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 9 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2709108-2709128-2709136--457-2709648- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
stellen, sowie in der Förderung aller Maßnahmen, die zur Schließung jüdischer Ehen dienen; 6. in jeglicher Förderung der Frühehe; 7. in (bes. Eraiehungsbeihilfen, besonders für jedes dritte und weitere Kind in Anerkennung der Muitterschaftsleistunig als solcher; 8. in Anerkennung jeder Mutterschaftsleistung der Frau durch unbedingte rechtliche Gleichstellung des unehelichen mit dem ehelichen Kinde; 9. in der Begründung von Jugend- und Gemeindeheimen; 10. in der vollen Nutzbarmachung der allgemeinen öffentlichen Leistungen der Versicherungsträger und Fürsorgeverbände auf diesem Gebiet und in ihrer Ergänzung aus eigenen Mitteln m allen Fällen, in denen diie genannten Steilen nicht ausreichen; 11. die vorstehend aufgeführten Maßnahmen sollen allen Juden, gleichviel ob eingesessene oder zugewanderte gleichmäßig zugute kommen. E. Die Konf erenz erwartet, daß diese Ffragen auch zum Gegenstand eingehender Beratung in der Konferenzgemeinschaft der Großgiemeinden, in den Landesverbänden und der Reichsarbeitsgemeinschaft und in den Verbänden der oben erwähnten Berufe gemacht werden. Sie beauftragt den bevölkerungspolitischen Ausschuß mit der Auswertung der Konferenzergebnisse und besonders mit der alsbaldigen Aufstellung «eines bevölkerungspolitischen Gemeindeprogramms. F. Die Konferenz richtet zum Schluß einen Augruf an die jüdische Gesamtheit zu einmütiger Mitarbeit in der jüdischen Bevölkerungspolitik." Im kommenden Heft unserer Zeitschrift werden wir ausführlich zu den Ergebnissen der Konferenz Stellung nehmen. Unterbringung Jüdischer Landarbeiter in Frankreich. Die Tätigkeit des Zentral-Komitees für jüdische Wandererhilfe in Frankreich auf dem Gebiete der Unterbringung jüdischer Landarbeiter in französischen Dörfern hat die Aufmerksamkeit der französischen jüdischen Kreise in einem hohen Maße auf sich gelenkt. Das Komitee selbst hat diese Tätigkeit bis jetzt bloß als ein Experiment betrachtet; .die Resultate sind aber so zufriedenstellend, daß man diesem Werke eine gute Zukunft voraussagt. Vor kurzem hat eine Abordnung, bestehend aus den Herren Dr. M. Kreinin (HJCEM), Mirkin (JCA> und Grinberg (Zentral-Komitee für jüdische Emigrantenhilfe) eine Inspektionsreise im Departement Vaucluse, wo der größte Teil der jüdischen Landarbeiter beschäftigt ist, unternommen und eine große Anzahl französischer Landwirte besucht, bei denen jüdische, meist aus Polen zugewanderte Landarbeiter angestellt sind. Die Arbeitgeber haben, bis auf sehr wenige Ausnahmen, ihrer vollsten Zufriedenheit mit den Leistungen Ihrer jüdischen Gehilfen Ausdruck gegeben. In dem ganzen Departement erfreuen sich die jüdischen Arbeiter eines sehr guten Rufes. Die Delegation nahm auch an einer in der Hauptstadt des Departements Vaucluse, Carpentras, stattgefundenen Konferenz der jüdischen Landarbeiter Südfrankreichs teil, bei der 42 Vertreter der jüdischen Landarbeiter anwesend waren. Das Niveau des auf der Konferenz stattgefundenen Meinungsaustausches bekräftigte den guten Eindruck, den die Delegation während der Inspektionsreise von der Qualität des jüdischen Landarbeiters gewonnen hat. Einstimmig wurde eine große Bedeutung der Unterbringung jüdischer Landarbeiter in Frankreich anerkannt. Die Mitglieder der Delegation gaben den versammelten Arbeitern das Versprechen, darauf hinzuwirken, daß das Zentral-Komitee für jüdische Emigrantenhilfe den jüdischen Landarbeitern zur definitiven Ansässigmachung in Frankreich verhelfen soll, insofern die betreffenden Kandidaten und deren Familienangehörigen den Forderungen, die an einen selbständigen Landwirt in Frankreich gestellt werden, entsprechen. Krisenunterstützung für Staatenlose. Der Reichsarbeitsminister hat laut Verordnung vom 19. Februar 1929 (Reichsgesetzbl. I S. 187) Staatenlosen die Krisenunterstützung unter den gleichen Voraussetzungen und im gleichen Umfang wie deutschen Reichsangehörigen gewährt. Zum Ausbau der Sozialversicherung hat u. a. der Abg. Gustav Schneider mit seinen Firaktionsgenossen folgenden Antrag im Reichstag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: I. a) die Reichsregierung zu ersuchen, dem Reichstag beschleunigt einen Ge- 179