Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 9 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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schul-, fürsorge- und gewerbeärztlichen Praktikern mit gleicher Energie bewältigt werden muß. Sie ist des Schweißes der Edlen wert, verspricht sie doch berechtigten Bedürfnissen des Individuums ebenso Befriedigung wie nicht minder begründeten Forderungen der Allgemeinheit. DIE BERLINER JÜDISCHE BERUFSBERATUNG IM JAHRE 1928 VON LUCIE ZOBEL, BERLIN Die Arbeit der jüdischen Berufsberatung war im Jahre 1928 durch den beginnenden Lehrlingsmangel wesentlich beeinflußt. Aus dieser Veränderung des Lehrstellenmarktes ergaben sich neue Aufgaben und neue Arbeitsmöglichkeiten für die Beratungsstelle. In den ersten Jahren nach der Gründung der Stelle war das entscheidende Moment der Arbeit die Lehrstellenvermittlung, der eine genaue Beratung vorangegangen war. Dieser Schwerpunkt hat sich, besonders im Berichtsjahre, allmählich zugunsten <ier Berufsberatung verschoben. In dem Maße, in dem die Möglichkeit der Lehrunterbringung verbessert wird, gelingt es uns infolge der Vormerkung bester Ausbildungsstellen bestimmte Kreise Jugendlicher heranzuziehen, die unsere Einrichtung früher nicht in Anspruch nahmen. Insbesondere die Anzahl der Besucher höherer Schulen hat beträchtlich zugenommen. Während in den früheren Jahren die Bewerber mit höherer Schulbildung sich hauptsächlich aus den Schülern der beiden jüdischen Schulen rekrutierten, stellen jetzt die Absolventen der städtischen höheren Lehranstalten einen weit höheren Prozentsatz der Besucher unserer Stelle dar. Es ergab sich, daß dieser neue Kreis Menschen mit wesentlich anderen Ansprüchen an die Berufsberatung herantrat als jene Jugendlichen, die vorher von uns betreut wurden. Im Mittelpunkt stand nunmehr die Berufsberatung. Mehr und mehr Bewerber meldeten sich bei uns, die über Fragen der einzelnen Berufe oder über Fragen des Berufslebens schlechthin Auskunft erbaten; weit mehr als früher meldeten sich junge Menschen mit unbestimmten Berufswünschen. Die Lehrstellenvermittlung war nicht mehr Selbstzweck, sondern Folge einer gründlichen Berufsberatung, und die Beratungsstelle erhielt auf diese Weise erst ihren eigentlichen Sinn. Durch das Hinzutreten neuer Kreise, namentlich durch das Hinzukommen von Jugendlichen, die nicht aus jüdischen, sondern aus rein beruflichen Gründen sich bei uns meldeten, entstand die Notwendigkeit zur Intensivierung der Ge- 174