Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 9 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Arbeitnehmer in der Hauswirtschaft weitgehend bessern können, liegt auf der Hand. Es müssen jedoch die Schwächen des 2. Entwurfs, insbesondere unter Berücksichtigung des 1. Entwurfs und unter Verwertung der Ergebnisse der statistischen Erhebung, die die Lage der Hausgehilfen, vor allem in bezug auf Arbeitszeit, Arbeitslohn, Urlaub und Unterbringung als durchaus günstig erscheinen ließen, ausgemerzt werden. Eine solche gesetzliche Regelung wird die Hebung des Hausgehilfenberufes und dadurch eine günstige Beeinflußung des Arbeitsmarktes zur Folge haben. Insbesondere wird sie auch der jüdischen Jugend neue Berufsmöglichkeiten eröffnen, sie einer Beschäftigung zuführen, zu der ihr heute die Tradition noch fehlt: der Beschäftigung in der Hauswirtschaft. BETRACHTUNGEN ÜBER ÄRZTLICHE BERUFSBERATUNG VON DR. KARL KAUTSKY (Facharzt am Wiener Städt. Berufsberatungsamt) Der Ausbau der sozialen Fürsorge nach dem Kriege hat den Aufgabenkreis der Aerzte ungeheuer erweitert, wenngleich freilich diese Tatsache den meisten Aerzten, die einseitig auf die Krankenbehandlung im Kleinbetrieb der Privatpraxis eingestellt sind, noch gar nicht zum Bewußtsein gekommen ist. Statt sich diese Entwicklung zunutze zu machen und sie planmäßig zu fördern, stehen die Aerzte abseits und vernachlässigen eine Fülle von praktischen Gebieten, die nach intensiver ärztlicher Betätigung geradezu schreien. Eins dieser Gebiete angewandter Medizin ist Viie ärztliche Berufsberatung. Die furchtbare Verelendung unseres Volkes im Gefolge des Krieges, die Verarmung der für die Volksgesundheit verantwortlichen Körperschaften gestatten uns heute nicht mehr eine Verschwendung von öffentlichen Mitteln, wie sie mit einer unzweckmäßigen Berufswahl als Massenerscheinung notwendig verknüpft ist. Falsche Berufswahl bedeutet Geldverschwendung durch unnütz vertanenen Lehraufwand, vor allem aber durch unnötigerweise erzwungene Wiederherstellungskosten zwecklos geschädigter Arbeitskraft. Die Berufsarbeit stellt eine der differentesten Noxen dar, die auf den Körper einwirken können, um so mehr, als sie unter den heutigen sozialen Verhältnissen einen zwangsmäßigen Charakter trägt, dem sich die große Masse der Bevölkerung unter keinen Umständen entziehen kann. Bei der freiwillig geleisteten, jederzeit aufgebbaren Körperarbeit des Sportes ist eine vorherige ärztliche Begutachtung der körperlichen Leistungsfähigkeit für viele schon zur Selbstverständlichkeit, der Sportarzt schon zu einem viel beschäftigten Spezialarzt geworden. Um wieviel notwendiger erscheint die obli- 166