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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-03-01 · 9 (März 1929) · page 5

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
9 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Verwaltung und Methoden, soziales Verständnis, Gewandtheit im Verkehr mit allen Volkskreisen, hygienische und pädagogische Fähigkeiten und ein großes Maß von Lebensreife. Wenngleich in der letzten Zeit ein gewisser Stillstand bei der Nachfrage nach sozialen Arbeitskräften eingetreten ist, so bezieht sich das in der Hauptsache auf die Gebiete der Gruppen Jugendwohlfahrt und Wirtschaftsfürsorge, während die in der Gesundheitsfürsorge ausgebildeten Fürsorgerinnen nach wie vor in großer Zahl besonders auch auf dem Lande angefordert werden. Für die Ausbildung stehen in Deutschland eine außerordentlich große Zahl von Schulen (etwa 40 für Frauen und etwa 10 für Männer) zur Verfügung. Die Ausbildung selbst ist kostspielig, weil sie erst in einem späteren Alter erfolgen kann und vielfach Menschen, die bisher in selbständiger Berufsarbeit gestanden und sich, oft auch ihre Angehörigen ernährt haben, für zwei Jahre ohne Existenzmittel läßt. Zur Ermöglichung der Durchführung der Ausbildung stellen sowohl die Länder wie auch eine Anzahl von Kommunen Stipendien zur Verfügung. Auch Verbände der freien Wohlfahrtspflege geben für die ihren Kreisen Angehörigen in gewissem Umfang Beihilfen.*) Die Stipendien der Behörden setzen jedoch gewöhnlich erst im 2. Schuljahr ein, um vorher die Eignung für den Beruf zu prüfen. Einzelne Gemeinden und freie Stellen haben daneben sogenannte bezahlte Praktikantenstellen geschaffen, in denen die Ausbildung in der praktischen Arbeit gewährleistet wird, und dafür eine Praktikantenentschädigung (ein erhöhtes Lehrlingsgehalt) von Mk. 50.— bis 70.— gezahlt wird. Für manche Schüler und Schülerinnen ist neben der theoretischen Arbeit die Beibehaltung einer Berufsarbeit, wenn es sich um eine soziale Tätigkeit handelt, für eine gewisse Zeit möglich. Es ist von Interesse festzustellen, inwieweit der soziale Beruf aus jüdischen Kreisen bevorzugt wird, und welche besonderen Berufsmöglichkeiten für die jüdischen sozialen Kräfte vorhanden sind. Zunächst ist festzustellen, daß der Andrang zur Ausbildung im sozialen Beruf, vor allem bei jüdischen Frauen, außerordentlich stark ist. Es liegt dies zum Teil daran, daß eine Reihe von anderen Berufen für die jüdische Bevölkerung teilweise ververschlossen, teilweise nur in begrenztem Umfang offen sind. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei aber auch das starke Interesse in jüdischen Kreisen für soziale und politische Probleme und eine gewisse Eignung für dieses Gebiet. Für Frauen kommt im allgemeinen hinzu, daß der Beruf infolge der lebendigen Arbeit mit Menschen eine stärkere innere Befriedigung gewährt als zahlreiche andere, besonders auch kaufmännische Berufe und in *) Von jüdischer Seite die Landesverbände der Synagogeftgemeinden wie die Wohlfahrtsämter einzelner jüdischer Gemeinden. 157

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