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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-02-01 · 8 (Februar 1929) · page 20

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
8 (Februar 1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Wiedereröffnung der Vormerkungslisten für Einwanderer nach Amerika. Das amerikanische Generalkonsulat teilt amtlich mit, daß vom 17. Januar 1929 an wieder Vormerkungen für Einwanderungs-Visa nach den Vereinigten Staaten von Amerika von Personen, die der deutschen Quote zugerechnet werden, d. h. Personen, die im Gebiete des jetzigen Deutschen Reiches geboren sind, auf allen amerikanischen Konsulaten in Deutschland angenommen werden. Neue Registrierungsformulare, auf denen die Anträge eingereicht werden müssen, sind bei allen amerikanischen Konsulaten sowie bei den Auswanderungsberatungsstellen und den meisten Schiffahrtsgesellschaften erhältlich. Es werden nur Anträge auf neuen Formularen angenommen. Die Wartelisten werden auf unbegrenzte Zeit offen bleiben und nicht, wie vorher, nach einer bestimmten Dauer gesperrt werden. Daher sollen ßich vorerst nur solche Personen vormerken lassen, die den ernstlichen Entschluß gefaßt haben, auszuwandern. Personen, die bei einem amerikanischen Konsulat bereits registriert und deren Namen noch nicht an der Reihe sind, sollen sich nicht erneut registrieren. Arbeitssperre gegen Ausländer in Frankreich. Die französischen Behörden versagen in Anbetracht erhöhter Arbeitslosigkeit den neueingewanderten Ausländern das Recht auf Arbeit; dadurch sind viele jüdische Einwanderer in eine schwere Lage geraten. Konferenz der jüdischen Kreditgenossenschaften in Polen. In Warschau tagte kürzlich die siebente Konferenz der jüdischen Kreditgenossenschaften Polens bei Anwesenheit von über 450 Delegierten, die 550 Institute vertreten. Der eigentlichen Konferenz gingen Beratungen voraus, die eine Einigung gewisser divergierender Gruppen bezweckten. M. Schalit, Wien, begrüßte im Namen des Verbandspräsidiums die Vertreter des staatlichen Genossenschaftsver^ bandes, sowie den Delegierten der American Joint Reconstruction Foundation, Dr. Werner Senator, Berlin. Der frühere Senator, Dr. Rotenstreich, Sambor, wurde zum Präsidenten der Konferenz gewählt. In seiner Dankansprache stellte er fest, daß die Juden in Polen das wirtschaftlich am meisten bedrohte Element seien. Der Präsident des jüdischen Parlamentsklubs J. Grünbaum, wies auf die Zusammenhänge zwischen dem Kampf um politische und dem Kampf um wirtschaftliche Rechte hin und erklärte, die Regierung ziele mit ihren sogen, wirtschaftlichen Reformen auf die Schwächung der jüdischen wirtschaftlichen Positionen hin. Im Namen der „Foundation14 begrüßte Herr Dr. Werner Senator, Berlin, die Konferenz und wies auf das riesige Anwachsen der kooperativen Bewegung in Polen hin, die zum stärksten wirtschaftlichen Faktor im jüdischen Leben geworden ist. Die „Foundation" hat eine Million Dollar in die kooperative Bewegung investiert, gegenwärtig besitzen die Berufsgenossenschaften insgesamt 6 Millionen Dollar eigenes Kapital. Dr. Senator appellierte an die Konferenz, an der Durchführung des großen Finanzprogrammes, das noch vor zwei Jahren von den Vertretern der „Foundation41 und der jüdischen Kreditgenossenschaften in Polen angenommen worden ist, mitzuarbeiten. Es sprachen dann Vertreter des Zentral-Vereines der Kleinhändler, der Industrie- und Handelskammer, des Zentralverbandes der Handwerker, des Oberrates der kaufmännischen Verbände u. a. m., worauf unter großem Beifall ein Begrüßungstelegramm vom europäischen Joint-Direktor, Dr. Bernhard Kahn, verlesen wurde. Direktor Birkenheim referierte in der zweiten Sitzung über den gegenwärtigen Stand der Genossenschaftsbewegung und wies auf den unbeschreiblichen Kapitalsmangel in den jüdischen Berufszweigen hin. Am 1. Januar 1927 bestanden 320 Kreditgenossenschaften mit insgesamt 114.544 Mitgliedern und einem Umsatz von 48,711.317 ZI. Am 1. Oktober 1928 bestanden schon 458 Genossenschaften mit 179.635 Mitgliedern und einer Balancesumme von 149,642.254 ZI. Im Verlauf der Berichtsperiode (1. Januar 1927 bis 1. Oktober 1928) haben sich die eigenen Mittel der Kooperativen um fast das Dreifache vermehrt. Herr Reismann erstattete den Bericht der Zentralbank der Genossenschaften. Den Referaten schloß sich eine eingehende Aussprache an. 148

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