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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-02-01 · 8 (Februar 1929) · page 17

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
8 (Februar 1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Diese wenigen Beispiele dürften schon genügen, um zu beweisen, wie außerordentlich schwer es dem Ausländer gemacht y/ird, auf ehrlichem Wege seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Man könnte beinahe sagen, daß die gegenwärtige Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen durch die Verwaltungsbehörden in starkem Maße dazu angetan ist, den Ausländer aus geregelter Arbeit in jeglicher Form zu verdrängen, um ihn aus Wirtschaftsnot straffällig werden zu lassen. Darüber hinaus aber sind hier die Gründe zu suchen, weshalb Ausländer so oft gezwungen sind, öffentliche Fürsorgetätigkeit in Anspruch zu nehmen, falls sie es nicht vorziehen, im Stillen zu verhungern, aus Angst, sie könnten infolge der Inanspruchnahme der öffentlichen Unterstützung ausgewiesen werden und damit ihren letzten Halt verlieren. Denn auch die Wohlfahrtsämter der Städte sind bestrebt, jede Möglichkeit zu benutzen, um Belastungen abzuwälzen und so trifft man es nicht selten, daß Ausländer, die 25 oder 30 Jahre im Inlande leben, und die nun zum Beispiel infolge der oben angegebenen Gründe ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können, mit der Ausweisung bedroht werden, sofern sie von dem Recht, das ihnen durch die Fürsorgepflichtverordnung auf öffentliche Unterstützung gegeben wird, Gebrauch machen. Es mag sein, daß die hier behandelte Angelegenheit für die breite Oeffentlichkeit nicht von besonderem Interesse ist. Sie müßte es aber sein, wenn man in Betracht zieht, daß die davon Betroffenen unter diesen Verhältnissen in einem Umfange und auf eine Weise leiden, die kaum noch geschildert werden können. Es ist eine moralische und menschliche Pflicht der zuständigen Stellen, auch hier ein Unrecht zu beseitigen, unter dem schuldlose Menschen schwer zu leiden haben. RUNDSCHAU Politik und Humanität. Paul Nathan. Soeben erscheint die erste zusammenfassende Biographie Paul Nathans. Ein reiches Leben rollt sich vor uns ab, dessen erste Hälfte der reinen Politik, dessen zweite der Humanität im Dienste der Politik oder, wenn man will, der Politik im Dienste der Humanität gewidmet war. Paul Nathan kommt von deutscher Politik zu jüdisch-humanitärem Wirken, weil ihm die Werkjgestaltung auf deutsch-politischem Boden und mit politischen Mitteln versagt blieb. Es drängte ihn, sein Leben schöpferisch zu nutzen und durch zeugende Tat zu gestalten — dazu boten ihm die liberalen Schichten des Bürgertums um die Jahrhundertwende keinen Raum. Das Bismarcksche Verfassungswerk hat dem Bürgertum wirtschaftliche Blüte und Aufschwung gebracht, um den Preis politischer Unselbständigkeit und Machtlosigkeit. Das Bürgertum und mit ihm Nathan, neben Bamberger, Barth, Mommsen, um nur einige zu nennen, stand politisch einflußlos in der Mitte zwischen iden Konservativen, der Partei des Heute und der Sozialdemokratie, der Partei von Morgen, gesättigt, uneinig, ohne zielklare Forderung — so verbrauchte dies Bürgertum die Kräfte seiner Besten. Nachdem Nathan 20 Jahre lang, frühzeitig Journalist geworden, als Redakteur der „Nation", jener vorbildlichen bür- 145

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