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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-02-01 · 8 (Februar 1929) · page 13

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
8 (Februar 1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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schreitungen führen muß und diskutiert über die Möglichkeiten von Aufklärungen der Mädchen. Man wagt es nicht, sie ehrlich zu bejahen, die Enge der Anstalt aufzulösen und die Mädchen aufnehmen zu lassen in die Gemeinschaft von Jugendverbänden, wie es in anderen modernen Heimen möglich ist. Man plant Ausbildungsmöglichkeiten der Jugendlichen innerhalb der Anstalt. Die Jungen, die aus der Großstadt kommen, sollen die Landwirtschaft erlernen. In einigen Lehrwerkstätten soll ihnen auch die Möglichkeit zur Ausbildung in einem Handwerk gegeben sein. Man vergißt, daß die Ausbildung in diesen isolierten Lehrwerkstätten die Zöglinge nicht zu konkurrenzfähigen Leistungen führen kann. Hier muß in ganz anderer Form neu eingesetzt werden. Die bisherige Form der Berufsausbildung in den Anstalten war bestenfalls Beschäftigungsmöglichkeit, aber nicht Erziehung zum Beruf und daher unproduktiv. Die Produktivierung der Fürsorgeerziehung — und hier sehe ich den Kernpunkt meiner Ausführungen — muß dahin abzielen, die Zöglinge lebenstüchtig, d. h. vollerwerbsfähig in einem bestimmten aussichtsreichen Berufe zu machen. Dies wird am besten in einer Meisterlehre außerhalb der Anstalt zu erreichen sein. Das Heim wird dann nur noch Wohnheim, in das der Zögling nach Arbeitsschluß zurückkehrt. Es wird dann weiterhin für die Neuordnung der Versuch gemacht, Einzelheiten moderner gutgeführter Fürsorgeerziehungsanstalten zu übernehmen, ohne daran zu denken, daß zunächst alles auf den Geist und die Erzieherpersönlichkeiten in den Heimen ankommt. Daß die Führer- und Erzieherfrage das schwierigste Problem für die Umgestaltung der Fürsorgeerziehungsheime ist, ist nur ein Sonderfall der allgemeinen Schwierigkeit fehlenden guten Erziehungsmaterials in den normalen jüdischen Erziehungsheimen. Nur der Erzieher wird in lebendiger Weise jüdischer Jugenderziehung gerecht werden können, der einem jüdischen Gemeinschaftsleben angehört. Nur der Erzieher wird verwahrloster jüdischer Jugend gerecht werden können, der heilpädagogische Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, und der vor allem das Milieu und die Not der ihm anvertrauten Jugend aus eigener Erfahrung kennt. Bisher wurden die jungen jüdischen Menschen, die eine moderne Einstellung zur Erziehung hatten, aus der Arbeit in jüdischen Erziehungsheimen auf möglichst unsichtbare Weise entfernt. Ob es möglich sein wird, eine wirkliche Gemeinschaft junger Erzieher um einen geeigneten Führer zu bilden, wird die nächste Zukunft lehren. Das Gelingen muß angezweifelt werden, solange die Führung und Verwaltung der Heime in den Händen von Menschen liegt, die in pädagogischen Dingen und in Dingen der Gefährdetenfürsorge Laien sind, und die das Hauptgewicht auf das Wort „Sparen" legen. Aber auch wenn diese Führung reformiert ist, wird die große Schwierigkeit bestehen, die geeigneten jungen Kräfte für diese Arbeit aus den Kreisen der jüdischen Jugendbewegung herauszuwählen. Trotzdem, solange es eine 141

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