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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-02-01 · 8 (Februar 1929) · page 9

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
8 (Februar 1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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in Untersuchungshaft genommen werden, wenn es sich um ein kleines Vergehen handelt. Oft wird der Seelsorger, wenn auch überlastete Staatsanwälte und Richter solche persönliche Fühlungnahme nicht immer schätzen, im Interesse seines Schutzbefohlenen mit den genannten Instanzen sich in Verbindung zu setzen gezwungen sein, und manche Unklarheit, manches Mißverständnis wird er dabei aufhellen können. Die Seelsorge an Untersuchungsgefangenen unterscheidet sich von der für Strafgefangene dadurch, daß ihr die Systematik und das klare Ziel, die Vorbereitung auf ein neues Leben in der Freiheit fehlt. Es lassen sich für ihre Durchführung schwer allgemeine Grundsätze aufstellen, denn die Verschiedenheit der Fälle und der Menschen weist ihr jedesmal neuen Weg. Ihr Zweck ist, einen kleinen Ausgleich für die großen, wenn auch unvermeidlichen Härten zu geben, die die Einrichtung der Untersuchungshaft nun einmal mit sich bringt. Von allen Gebieten der Seelsorge stellt sie die größten Ansprüche an den Rabbiner, an seinen Takt, an seine Opferfreudigkeit, an sein brüderliches Empfinden. Treue Arbeit für diese Aufgabe lohnt sich aber meist durch einen Erfolg, der nicht nur im Augenblicke wirkt, sondern der auch dann bleibt und seelische Verbindung mit dem Judentum schafft, wenn wieder Sonnenschein und glückliche Tage gekommen sind. Auf sie die ernste Aufmerksamkeit aller derer zu lenken, die durch ihr Amt zur Seelsorge berufen sind, ist der Zweck dieser Zeilen. ZUR PRODUKTIVIERUNG DER JÜDISCHEN FÜRSORGEERZIEHUNG*) VON * $ * Erziehen bedeutet immer Hilfeleistung am einzelnen und Hilfeleistung an der Gattung. Dies ist die allgemeine Definition und herzuleiten aus der Wortdeutung: Erziehen, das heißt „Ziehen44 in eine bestimmte Richtung, in einer bestimmten Art und Weise zu einem bestimmten Ziel. Man „zieht", was sich nicht selbst bewegen kann oder will. Durch das Ziehen kann die Eigenbewegung des Gezogenen gestärkt werden, man kann aber auch in eine andere Richtung ziehen, als der sich selbst Bewegende will. Die Pflanze wächst von selbst nach den in ihr liegenden *) Aus den Kreisen junger jüdischer Wohlfahrtspflegen geht uns ein Beitrag zur Diskussion der Frage der jüdischen Fürsorgeerziehung zu. Wir veiröffentlichen diesen Beitrag, ohne daß die Redaktion von sich aus zu den angeschnittenen Fragen, die sie für außerordentlich wichtig und bedeutsam hält, schon jetzt Stellung nimmt Des weiteren hat Eugen Caspary, der Vorsitzende des Berliner Jüdischen Wohlfahrtsamtes, wohl einer der besten Kenner der Probleme der Fürsorgeerziehung, anläßlich der Aufführung der „Revolte im Erziehungshaus44 von Peter Martin Lampel eine Besprechung veröffentlicht, von der wir wünschten, daß sie weitesten jüdischen Kreisen bekannt werden würde. Er hat mit seltenem und in unseren Reihen leider nicht oft zu findendem Bekennermute auch;137

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