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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-02-01 · 8 (Februar 1929) · page 5

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
8 (Februar 1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nicht landwirtschaftliche Ausbildung und Beschäftigung um der Landwirtschaft willen, sondern um der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit überhaupt und der menschlichen Würde, die aus der Selbstarbeit im Gegensatz zum Almosennehmen entspringt. Die Landwirtschaft wird nur gewählt, weil sie nach fachmännischer Ansicht diese arbeitstherapeutische und pädagogische Einwirkung einzig und am besten gewährleistet. Die Zentralisationsbestrebungen und die Bemühungen um die Vereinheitlichung alles jüdischen organisatorischen Lebens sind zu begrüßen und zu fördern, da die Einheit die Kräfte verdoppelt und sinnlose finanzielle Belastung ausschaltet. Aber man darf aus diesen gesunden Bestrebungen kein Prinzip machen. Nicht Zentralisation um der Zentralisation willen, sondern nur dort, wo sie Leben fördert und steigert. Verkoppelung von Arbeiterkolonie und Siedlung aber würde eine Schädigung beider Ideen bedeuten, weil sie aus Lebenssphären stammen, die sich zwar äußerlich berühren, innerlich aber getrennte Bahnen gehen und ihrem Charakter gemäß auch gehen müssen. SEELSORGE BEI UNTERSUCHUNGSGEFANGENEN VON DR. FELIX GOLDMANN, LEIPZIG Mit Recht legt die Gefangenenfürsorge den größten Wert darauf, Menschen, die vom geraden Wege abgeirrt sind, für dasi spätere Leben wieder zu ertüchtigen. Und es liegt im Wesen der jüdischen Lebensauffassung, ihrer auf Tat und Verwirklichung zielenden Grundtriebe, wenn Seelsorge und Fürsorge ineinander übergehen. Gerade auf diesem Gebiete muß man sich besonders hüten, dem Einfluße christlicher Ideen zu erliegen, die aus einem anderen Begriff von der Bedeutung des religiösen Trostes, der Reue und der Buße erwachsen. Die Arbeit für jüdische Gefangene kann nicht in einen geistlich-seelsorgerischen und einen sozial-fürsorgenden Teil getrennt werden, sondern beide sind auf das innigste miteinander verbunden. Und wirklich nützen und bessern wird bei uns Juden das Wort und der Rat des Seelsorgers nur dann, wenn der Strafgefangene spürt, daß hinter dem mahnenden und tröstenden Redner die aufrichtende, praktische Hilfe steht. Etwas anders steht es freilich bei den Untersuchungsgefangenen, für die alle praktischen Maßnahmen, soweit es sich nicht um die Hilfe für die zurückgebliebenen Familien handelt, zunächst ausscheiden. Und daß es bei ihnen so ganz und gar auf die seelischen Momente, auf innerliche Stärkung, auf Tröstung, auf Weckung des Optimismus ankommt, mag die Ursache sein, daß dieser Zweig der Seelsorge etwas stiefmütterlich behandelt wird. Das gilt übrigens auch für die christlichen Konfessionen! Die besondere Stellung des Untersuchungsgefangenen, seine besonderen Bedürfnisse, sein Kampf, den er um die 133

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