Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 6-7 (Dezember 1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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sabbathfireie Stelle zu finden. Auch der Vater war merkwürdigerweise mit dieser Berufswahl einverstanden. Wir begannen nun, eine Lehrstelle zu suchen und fanden nach vier Wochen eine solche, die sie auch antrat. Nach einer einmonatlichen Probezeit wurde der Lehrvertrag abgeschlossen. Sie befindet sich heute noch dort, arbeitet zur Zufriedenheit des Arbeitgebers und fühlt sich in der Stelle wohl. Zwei Möglichkeiten bleiben ihr für die Entwicklung in ihrem Beruf; entweder das künstlerische in den Vordergrund zu stellen oder im rein handwerklichen zu verbleiben. Dies wird weniger von ihrer berufsmäßigen Ausbildung abhängen als von der Richtung, die sie ihrem persönlichen Leben geben wird. L. Z. Organisation Die letzten Monate der Organisationsarbeit der Haup&stelle für jüdische Wanderfürsorge waren insbesondere der Propagierung der Idee der Arbeiterkolonie gewidmet. Es konnte in allen Verbänden, die sich bisher bei ihren Generalversammlungen und Ausschuß-Sitzungen mit dieser Frage befaßten, festgestellt werden, daß es allseitig begrüßt wird, daß die Frage der Arbeiterkolonie nunmehr vor einer baldigen Realisierung steht. Besondere Hilfe gewährte bei den vielfachen Besprechungen die entgegenkommende Haltung des Landesverbandes Bayern und Sachsen, insbesondere die begrüßenswerte Resolution der Reiohsarbeitsgemeinschaft der Landesverbände. Der Große Rat des Preußischen Landes- Verbandes hat sich in seiner Sitzung vom 4. November 1928 mit der Frage der Arbeiterkolonie beschäftigt und nach eingehender Diskussion und einem Referate von Herrn Professor Türk die Idee der Schaffung einer Arbeiterkolonie begrüßt. Dem gewünschten Beitrag der Hauptstelle in Höhe von 30.000 RM. ist allseitig zugestimmt worden. Durch äußerliche Umstände ißt allerdings die Abstimmung über diese Frage unterblieben, so daß sich die nächste Sitzung des Großen Rates mit dieser Frage wird beschäftigen müssen. Dadurch ist leider eine Verzögerung in unserer Arbeit entstanden, deren baldige Behebung zu erhoffen ist. Der Vorstand und der Wohlfahrtsrat des Landesverbandes Hessen und Hessen-Nassau tagte am 10. September und beschäftigte sich mit der Frage der Loslösung des Freistaates Hessen aus dem Bezirk des Landesverbandes. Diese Loslösung wurde allseitig abgelehnt. Des weiteren wurde die Frage der Beitragsleistung des Verbandes an die Berliner Zentralstelle besprochen und schließlich die Frage der Arbeiterkolonie auf Grund eines Referates von S. Adler-Rudel eingehend diskutiert. Es wurde beschlossen, daß die von der HauptsteMe gewünschte Subvenuon in Höhe von 5000 RM. und 4000 UM. Garantiesumme durch eingehende Werbung im Beziirk aufgebracht werden. Die Generalversammlung des Rheinischen Verbandes beschäftigte sich am 25. November eingehend mit der Frage der Arbeiterkolonie und faßte folgende Resolution: „Die Provinzialkasse für jüdische Wanderfürsorge anerkennt die Wichtigkeit der Gründung einer jüdischen Arbeiterkolonie zur Unterbringung von Durchwanderern und Strafentlassenen, um anstatt der unproduktiven Almosen die Möglichkeit zu produktiven Arbeiten zu geben, und ihre Ueberführung in das normale Erwerbsleben zu erleichtern. Die Generalversammlung der Provinzialkasse für jüdische Wanderfürsorge empfiehlt den angeschlossenen Gemeinden die Unterstützung dieses Planes durch Bewilligung einer einmaligen Beihilfe. Als Beitrag der »rheinischen Synagogengemeinden ist für diesen Zweck ein Betrag von 10.000 RM. vorgesehen.'1 Die Hauptstelle war durch S. Adler-Rudel vertreten. Am 2. Dezember tagte der Große Ausschuß des Hannover-Braunsen weigis ch em Verbandes, der als einzigen Punkt der Tagesordnung die Frage der Arbeiterkolonie behandelte. Nach einem Referate von Dr. Kreutzberger wurde von allen Seiten zum Ausdruck gebracht, daß die Errichtung der Arbeiterkolonie außerordentlich zu begrüßen ist. Der Verband verpflichtet sich, die Summe von 5000 RM. in Kürze aufzubringen. 124