Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 6-7 (Dezember 1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2709108-2709128-2709134--392-2709581- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
lieh wird. Er hat z, B. Mißerfolge in der Schule gehabt und glaubt, daß man ihm nicht viel zutraut. Da ist es gut, wenn ein neuer Mensch sein Gefühl, mit neuem Mut an neue Aufgaben heranzutreten, stärkt. Wieder anderen ist es eine Hilfe, wenn die ihnen bekannte Schulpflegerin mit ihnen verabredet ihre Wünsche mit der Berufsberaterin zu besprechen. Ein Gruß hin und her, eine gemeinsame Rücksprache zu Dreien, helfen zuweilen einem Verschüchterten oder Verbitterten. Er fühlt sich gekannt, anerkannt und ernst genommen. Aus den subjektiven Erfahrungen ließen sich die Beispiele aus der Praxis vermehren. Dies kann vielleicht an anderer Stelle ausführlicher erfolgen. In diesen Ausführungen soll noch ein allgemeiner Vorschlag zum Ausbau der Zusammenarbeit von Schulpflege und Berufsberatung Raum finden. In der Schule lagern noch zum Teil ungehobene Schätze, die der Berufsberatung Fingerzeige geben könnten. Die jetzt üblichen Urteile in Fragen sind mehr oder minder abstrakt formuliert. Aufschlußreicher sind die Arbeiten der Kinder selbst, wie sie im Arbeitsunterricht usw. entstehen. Sie sollten der Berufsberatung zugänglich gemacht werden. Ferner sollten Aufsätze herangezogen werden, die einen Einblick in die kindlichen Berufswünsche vermitteln. (Was ich werden will? Vaters Beruf. Frauenarbeit usw.) Solche Arbeiten sind nicht etwa unmittelbar brauchbar. Aber sie verraten zuweilen die Lebenseinstellung in überraschender Weise und geben Schulpflege und Berufsberatung Gelegenheit, Schwierigkeiten und Irrtümer überwinden zu helfen. Dr. Josef Kramer hat in einer Arbeit „Kindliche Phantasien zur Berufswahl", Verlag Bergmann 1922, in Adler-Furtmüller-Wexberg „Heilen und Bilden44 Anregungen zur Auswertung solcher Arbeiten gegeben. Gegenwärtig wird in unseren Schulen der Gedanke verfolgt; über die Resultate soll später berichtet werden. Die Schulpflege ist ein Ausdruck dafür, daß die Lehrerschaft ein wachsendes Interesse daran hat, ihre eigene Arbeit zu produktivieren. Sie will die Kinder nicht nur unterrichten, sondern dem Leben zuführen und weiß, daß die Berufsberatung sachgemäßer durch eine Fachstelle erfolgen kann, als durch einen gelegentlichen Rat oder eine vermittelte Stelle des Lehrers. Die Schule will den Kindern eine umfassende Vorbereitung für das Leben bieten, sie gesundheitlich und erzieherisch stärken, ankämpfen gegen alle objektiven und subjektiven Nöte, die die gesunde Entfaltung der jungen Kräfte bedrohen. 116