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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-12-01 · 6-7 (Dezember 1928) · page 4

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
6-7 (Dezember 1928)
Date
1928-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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klaren Schlußfolgerungen küssen in Zukunft kaum die Feststellung mehr anzweif eln, daß die Wandererfürsorge im wesentlichen als sozialpolitisches und nicht armenfürsorgerisches Problem anzusehen ist, und daß demgemäß die zu ergreifenden Maßnahmen in erster Linie sozialpolitische, «arbeitsmarktpolitische und arbeitsfürsorgerische sein müssen. Dem Verfasser sowie denn Verein für öffentliche und private Fürsorge gebührt für diese Veröffentlichung der besondere Dank aller interessierten Fachkreise. Es muß leider bemerkt werden, daß diese ungewöhnlich aufschlußreiche Schrift*), die erste, die in der Nachkriegszeit Fakten und nicht nur Forderungen bringt, noch nicht jene Beachtung und Diskussion gefunden hat, die sie in reichstem Maße verdient. *) Die Bemerkungen des Verfassers zur Frage der jüdischen Wanderfürsorge dürften für unsere Leser von besonderem Interesse sein. Auch sie zeigen das nicht überall zu findende, ungewöhnliche Verständnis des Verfassers: „Auch für die jüdischen Wanderer ergab sich die Notwendigkeit einer gesonderten Behandlung. Ohne Zweifel befinden sich unter ihnen mindestens in demselben Umfange wie unter der Hauptmasse der Wanderer arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen, die für eine arbeitsmarktpolitische Behandlung in Betracht kommen. Ihre Einbeziehung in die allgemeinen Einrichtungen der Fürsorge für die wandernden Arbeitslosen wird allerdings sehr erschwert, weil ihre Beziehungen zu dem gesamten Wirtschaftsleben ganz andere sind als die der Masse der Wanderer. Dies tritt bei unserer Untersuchung über die Verhältnisse von 349 jüdischen Wanderern, die der jüdische Hilfsverein in Frankfurt a. M. im Rahmen der gesamten Erhebung erfaßt hat, zutage. Die jüdische Stammeseigentümlichkeit und die schwierige Lage der Juden im Staats- und Wirtschaftsleben der angrenzenden Länder, namentlich in Polen, zwingt dauernd große Massen von Juden, sich in anderen Gebieten Arbeit und Lebensinöglichkeiten zu suchen und hat eine völlig andersartige Zusammensetzung nach Alter, Beruf, Nationalität und Wanderzweck zur Folge. Charakteristisch ist das starke Hervortreten der mittleren Jahngänge, das Ueberwiegen der selbständigen Gewerbetreibenden sowie die hohe Zahl der Ausländer (260 74.5%). Es handelt sich bei den Juden vielfach mehr um Durchreisende als um Durchwanderer. Damit scheint es zusammenzuhängen, daß der jüdische Hilfsverein weit größere Beträge den einzelnen Hilfesuchenden zur Verfügung stellte, als dies bei den anderen erhebenden Stellen der Fall war. Hier kam auf den Kopf des Wanderers ein Betrag von 1.76 RM., bei den jüdischen Wanderern dagegen der Betrag von 8.66 RM. Auch die gesonderte Behandlung der jüdischen Wanderer in unserer Darstellung wird stark beeinträchtigt durch das geringe zur Verfügung stehende Zahlenmaterial. Wir finden es aber erhärtet durch die Statistiken der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, die ganz ähnliche Erscheinungen aufweisen, sowie durch die Erfahrungen, die man in früherer Zeit mit den jüdischen Wanderern gemacht hat. Des Sonderprobleims der jüdischen Wanderer hat sich in mustergültiger Weise die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise mit ihrem weitverzweigten Netz von Landes- und Provinzialkassen angenommen. Das, was wir für die allgemeine Wandererfürsorge anstreben, hat sich die jüdische Wandererfürsarge gleichfalls zum Ziele gemacht und auch teilweise schon durchgeführt. Sie ist bemüht, eine Regelung auf arbeitsmarktpolitischer Grundlage herbeizuführen, baut den jüdischen Arbeitsnachweis für die Durchwanderer immer stärker aus und schränkt die unterstützende Fürsorge soweit als möglich ein." (S. 111 ff.) 100

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