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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-11-01 · 5 (November 1928) · page 17

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
5 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Kunden und war somit in der Lage, Unkosten und Gewinn von vornherein zu berechnen. So war es dem Vertreter möglich, sich ein genügendes Auskommen zu verschaffen, die Familie anständig zu ernähren und für das Alter Rücklagen zu machen. Auch die festangestellten Reisenden hatten im allgemeinen nicht zu klagen. Gehalt und Provision waren ausreichend und die Tägesspesen so bemessen, daß der tägliche Aufwand damit bestritten werden konnte. Junggesellen, die ständig auf der Tour waren, sollen vielfach einen großen Teil ihres Gehaltes erspart haben. War der Handelsvertreter der Treuhänder zwischen Konsument und Produzent, so war der Handelsreisende Vertrauensmann und Repräsentant seiner Firma. Vielfach war dem Handelsreisenden vorgeschrieben, in welchen Hotels er Wohnung zu nehmen habe, und die Spesen waren dementsprechend festgesetzt. Der Handelsreisende hatte ferner einen wesentlichen Einfluß auf den Einkauf bezw. auf die Fabrikation seines Hauses, denn er konnte am besten beurteilen, welche Waren von der Kundschaft benötigt wurden. Heute haben sich wesentlich andere Verhältnisse entwickelt. Kaufmännische Vorbildung ist vielfach nicht mehr notwendig; damit fällt auch die Pflege des Kunden und des früher bestehenden Vertrauensverhältnisses fort. In früheren Zeiten wurde vor dem Saisonwechsel der Vertreter oder Reisende erwartet, und die zu tätigenden Aufträge blieben ihm reserviert. Er wurde eben als treuer Berater angesehen; hatte er doch schließlich dasselbe Interesse am Geschäft seines Kunden wie dieser selbst. Heute gelingt es den Vertretern in den seltensten Fällen, den Geschäftsinhaber zu sprechen, da die Zahl der Reisenden und Vertreter ins Unermeßliche gestiegen ist und kein Geschäftsmann mehr die Zeit hat, jeden einzelnen anzuhören. Ist es aber einmal gelungen, einen Geschäftsmann zu erreichen, und war es möglich, ihn zum Ansehen der Muster zu bewegen, dann führt der Selbsterhaltungstrieb den Vertreter oder Reisenden allzu leicht dazu, dem Kunden nun ohne Rücksicht darauf, ob er die Ware gebrauchen kann und ob sie für ihn verkäuflich ist, einen recht großen Posten aufzudrängen. Es ist ganz natürlich, daß das Interesse bei den verhältnismäßig wenigen Geschäften, die getätigt werden, rücksichtslos auf die Höhe des Umsatzes eingestellt ist, damit die Verkaufsunkosten, Spesen usw., die jetzt aus der Tasche des Reisenden bezw. Vertreters ganz getragen werden müssen, durch den Verdienst aus dem Umsatz gedeckt werden können. Wenn man die Tageszeitungen verfolgt, kann man beobachten, in welchem Umfange Provisionsvertreter und Provisionsreisende gesucht werden. Die suchenden Firmen sind größtenteils solche, die überhaupt keinen Kundenkreis haben und nun versuchen, mit einem großen Stamm von Vertretern sich einzuführen. Die Form der Einstellung als Vertreter wird gewählt, um die sozialen Lasten zu sparen und an keine Kündigung gebun- 89

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