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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-11-01 · 5 (November 1928) · page 2

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
5 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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zweifeln: die Notwendigkeit gegenwärtiger organisatorischer Wohlfahrtsarbeit kann nicht mehr zur Diskußsioi* gesteint ^erden. Aber sie braucht Wertmesser, Anzeige? datüF, ob die notwendige Grenze organisatorischer Eigenheit bereits überschritten ist oder nahe daran, erreicht zu werden. Diese Korrektur bat die Wohlfahrtsarb^t nötiger dejm irgendein anderes Arbeitsgebiet. Sie hört ay£ ^n&yojl jzu wenden, sofern sie Selbstzweck wird- Der Befürsorgte ist dazu berufen, diese Korrektur zu üben. Keiner fühlt feiner als er, wenn das organisatorische Moment seine natürliche Machtgrenze zu überschreiten beginnt, keiner reagiert feinnerviger als er, wenn die Beauftragten der Gemeinschaft gegen Prinzipien menschlicher Würde verstoßen. Damit soll nicht gesagt werden, daß jede nörgelnde und kleinliche Kritik jedes Befürsorgten zurecht bestehen muß, aber es ist immer ein bedenkliches Zeichen, wenn Kritik und Klagen sich häufen und ständige Mahner werden. Die Fürsorgeeinrichtungen müßten immer mehr das Odium von sich abstreifen, daß sie von obenherab anordnen, daß sie befehlend und fordernd drängen, und so wäre das Ideal jeder Fürsorgeeinrichtung die Selbstverwaltung der Befürsorgten. Aus dieser Erkenntnis heraus machen wir hier erstmalig den Versuch, uns und unsere Einrichtungen „vom anderen Ufer" sehen zu lassen, jenen, deren Angelegenheiten immer von uns behandelt werden, und die doch eigentlich ihre ureigensten Angelegenheiten sind, selbst das Wort zu geben. Und zwar vorerst unsere Gefangenenfürsorge, dann unsere Wanderfürsorge. Es sind Dokumente, die, unbeeinflußt entstanden, hier unverändert zum Abdruck gelangen*): Gefängnis in L., £2. IX. 28. Sehr geehrter Herr Doktor! Heute an dem höchsten Feiertag, den wir Juden haben, kommt mir mehr wie je die unsagbare Zerklüftung zu Bewußtsein, unteir der unser jüdisches Gemeinleben und besonders das Gemeindeleben der Stadt L. leidet. Sie wandten sich in Ihrem Artikel gegen den Bürokratismus der jüdischen Wohlfahrtsstellen. Ich gehe noch weiter wie Sie und spreche sogao* ganz offen von Herzlosigkeit und Gemütsrohheit bei diesen Institutionen. „Homo sum!" mit diesem Gedanken wandte ich mich einst vertrauensvoll in meiner damaligen Notlage an die Gemeinde. „Homo sum??! —das war das Echo, das mir dort entgegenkam. -— Deswegen sandte man mich erst noch von da zur Städtischen Wohlfahrtspflege, von dieser wieder zur Gemeinde und bewilligte mir dann eine einmalige Beihilfe von--2.— RM.Ü Ich kam in Haft und was wird aus mir, wenn ich frei sein werde? — Ich habe hier viel Zeit zum Nachdenken und da denke ich auch daran, wie wohl die Israelitische Gemeinde ihren Glaubensbrüdern hier helfen könnte, nicht nuir, ohne den Etat zu belasten, sondern auch sogar noch dadurch Gewinn zu erzielen. Und damit lassen Sie mich meine Vorschläge machen. *) Der Abdruck dieser Dokumente bedeutet keinesfalls, daß die Redaktion sich im einzelnen mit ihnen solidarisch erklärt Wir glauben im Gegenteil, daß diese Dokumente einer genaueren sozialpsychologischen Beleuchtung bedürfen, der wir uns im Augenblick enthalten. 74

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