Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 4 (Oktober 1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2709108-2709128-2709132--335-2709522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
hauptsächlich in Osteuropa, namentlich in Polen, aus den landwirtschaftlichen Siedlungen geholt worden. Es wurden dabei nur solche Arbeiter ausgewählt, von denen man zumindest den Eindruck hatte, daß sie körperlich für landwirtschaftliche Arbeiten geeignet und bereit sind, landwirtschaftliche Arbeiter zu bleiben. Es ist dabei wichtig, darauf hinzuweisen, daß ein größerer Teil der angeworbenen Arbeiter sich aus Chaluzim rekrutierte, für die gewisse Zweige der landwirtschaftlichen Arbeit in Frankreich besonders günstige Vorbereitungsmöglichkeiten für Palästina bieten. Dieser Teil der Arbeiter war, wenn auch nicht immer physisch und technisch, so doch in moralischer Hinsicht für die schwere Arbeit in der Landwirtschaft und für das Leben unter Bauern sicherlich geeignet. Diese sorgfältige Auswahl der Kandidaten war deshalb wichtig, weil die Aktion, Juden in der französischen Landwirtschaft unterzubringen, sich noch in den Anfängen befindet und man sich in den Kreisen der französischen Bauern, wo der jüdische Arbeiter überhaupt unbekannt ist, unserer Arbeit gegenüber sehr skeptisch verhielt. Jetzt aber, nachdem auch nur die erste Saison vorüber ist, und trotz der geringen Zahl der Arbeiter, die wir untergebracht haben, kann man mit ruhigem Gewissen sagen, daß der Ruf des jüdischen Arbeiters in der Gegend, in der er Arbeit gefunden hat, ein sehr guter ist, und daß im Hinblick auf die weitere Propaganda die bisherigen Erfolge sich schon in naher Zukunft sehr günstig auswirken werden. Die Arbeit dieses Jahres ist nicht nur durch die spezielle Auswahl der Arbeiter gekennzeichnet, sondern auch dadurch, daß zum ersten Mal besondere Sorgfalt bei der Wahl der Gegend, in der die Arbeiter untergebracht werden sollten, angewandt wurde. Da namentlich für die Vorbereitungsarbeit der Chaluzim nur jene Gegenden Frankreichs in Frage kamen, die eine gewisse Aehnlichkeit mit Palästina aufweisen, konzentrierten wir uns überhaupt nur im Departement Vacloud; dieses wurde zum Ausgangspunkt unserer Tätigkeit. Trotz der geographischen Begrenzung erhielten wir dadurch die Möglichkeit, unsere Tätigkeit in dem Sinne zu rationalisieren, daß wir die zur Verfügung stehenden Arbeitsstellen sorgfältiger auswählten. Wir konnten infolgedessen die in Frage kommenden Arbeiter nur in jenen Arbeitsstellen unterbringen, von denen wir den Eindruck hatten, daß sie für sie passend wären. Darüber hinaus bot die Konzentration der Arbeit auf einen kleineren Raum noch andere Vorteile. Die neu eintreffenden Arbeiter haben die Möglichkeit des häufigeren Beisammenseins, das ihnen über die Einsamkeit in ihrem neuen Milieu hinweghilft. Dank der Nähe, in der die Arbeitsstellen zueinander liegen, war es auch eher möglich, die kulturellen Bedürfnisse der Arbeiter zu befriedigen, Bücher und Zeitschriften auszutauschen, sowie in den Fällen, in denen es sich als notwendig erwies, das Interesse der Arbeiter bei Arbeitgebern und Behörden wahrzunehmen. 61