Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 3 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DER PRAXIS Tätigkeit des Israelitischen Hilfsvereins Frankfurt a. M. von Januar bis April 1928 Infolge der bestehenden Eigenart der Frankfurter Verhältnisse hat der Israelitische Hilf s verein (die Pro vi nzialkasse für jüdische Wanderfürsorge in Hessen und Hessen-Nassau) nicht nur die Funktionen der Wanderfiirsorge zu erfüllen, sondern in seiner Arbeit Aufgaben zu erledigen, die in das Gebiet der Ortsfürsorge fallen müßten. Es ist zu wünschen und als sicher anzunehmen, daß bei der in aller Kürze kommenden Zentralisation eine Umgruppierung innerhalb der Frankfurter Fürsorge dahin gehend erfolgt, daß unser Aufgabenkreis sich auf Wanderfürsorge, Auswandererberatung und die rein sozialpolitischen Gebiete erstreckt. Die unten aufgeführte Statistik zeigt eine außerordentlich hohe Zahl von Verpflegungsportionen in unserem Durchwandererheim. Diese ergibt sich daraus, daß wir hiesigen Bedürftigen Abendessen verabfolgen, da in Frankfurt keine Organisation besteht, die für geringes Entgelt oder kostenlos Abendessen und das Essen für Schabbosmittag ausgibt. Infolge seiner geographischen Lage ist der Durchwanderen erkehr in Frankfurt recht lebhaft, und ein beträchtlicher Teil der Leute wird von uns erstmalig erfaßt, so daß ausgiebige Recherchen notwendig sind, um die Angaben zu prüfen. Daraus erklärt sich die lebhafte Besetzung unseres 1 feims. In Paßangelegenheiten haben wir einen recht starken Zuspruch; und die Rubrik der Barunterstützungen ist dadurch begründet, daß wir hiesige Bedürftige, die noch keine zwei Jahre in Frankfurt wohnhaft sind, unterstützen müssen. Der Petenten verkehr für die Monate Januar bis April zeigt folgende Zahlen: 1928 •rdert irten j i i i -E o 8 1 N II Monat % i a O «! L rt r 1 d » OD -O SS £Q LU a. W ) £D > < (D Ul Januar . 63 134 139 1 13! 62 47 15 476 Februar 35 j 133 141 13 i 45 53 65 484 März . . 86 179 146! 23! 75 82 32 623 April . . 58! 163 1041 2 44 60 27 465 Essenausgabe: Mittagessen Abend- und Samstagessen 382 1050 Februar .... 367 1058 357 1570 803 760 (Die Zahlen für den Monat April erklären sich durch die Pessachtage.) Übernachtungen im Durchwandererheim belaufen sich wie folgt: Januar 520, Februar 405, März 490, April 425. Abschließend ist zu sagen, daß die Wanderung nicht mehr so stark ist wie 1927. Durch die straffe Organisation und die Verbindung mit Frankreich hat die wilde Wanderung bedeutend nachgelassen. Bemerkenswert sind die Versuche der unkontrollierten Wanderer, die Städte ohne Provinziaikasse aufzusuchen, Versuche, deren die ausgedehnte Tätigkeit unserer Provinziaikasse immer mehr Herr zu werden verspricht. A. Benjamin (Frankfurt a. \'f.) Ehefähigkeitszeugnisse für Staatenlose Das Wohlfahrts- und Jugendamt der Gemeinde K. fragt uns folgendes an: „Wir sind gegenwärtig bemüht, die nötigen Unterlagen für die Um Wandlung nur nach religiösem Ritus eingegangener Ehegemeinschaften in gesetzliche Ehen zu beschaffen. Die größten Schwierigkeiten bereitet die Beschaffung der Papiere bei Staatenlosen, vor allem die Beibringung des Ehefähigkeitszeugnisses." „In obiger Angelegenheit teilen wir ihnen ergebenst mit. daß auch wir in den vergangenen Jahren gerade bei Staatenlosen die größten Schwierigkeiten hatten. Es dürfte Ihnen sicher bekannt sein, daß für Staatenlose das Ehefähigkeitszeugnis desjenigen Landes notwendig ist, dem die Person zuletzt angehört hat (Artikel 29 EG BGB). Sie dürften sicherlich auch wissen, daß in vielen Fällen von der Beschaffung des Ehefähigkeitszeugnisses ohne weiteres Abstand genommen werden kann. Allerdings ist hierzu eine spezielle Genehmigung des Oberlandesgerichtspräsidenten notwendig, die erreicht wird dadurch, daß der Standesbeamte kostenfrei ein Gesuch aufsetzen muß 46