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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-09-01 · 3 (September 1928) · page 12

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
3 (September 1928)
Date
1928-09-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Glieder einer und derselben Familie in verschiedenen Ländern leben und nicht wieder zusammenkommen können. Es ist das eine brennende Frage von größter Aktualität. Sie fordert eine rasche Lösung. Nach Zehntausenden zählen die Auswandererfamilien, die seit Jahren schon in mehrere Stücke versprengt sind und keine Möglichkeit sehen, sich wieder zusammenzufinden trotz aller aufgewendeten Bemühungen. In mehreren europäischen Staaten gibt es Tausende derart getrennter Familien, die noch immer die Hoffnung haben, eines Tages wieder zusammenzukommen, und die alle gesetzlichen, ja sogar ungesetzlichen Mittel anwenden, um aus ihrem Getrenntsein herauszukommen, das sie wirtschaftlich und sittlich ruiniert. Eine amerikanische Organisation, der „Foreign Language Information Service", hat kürzlich statistische Daten und Schätzungen veröffentlicht über die Lage, die durch die amerikanischen Kontingentierungsgesetze in fast allen Ländern Europas und des nahen Ostens geschaffen worden ist. Als Stichtag für die mutmaßliche Zahl der Visum-Gesuche und der für die Angehörigen von Auswanderern genehmigten Gesuche ist der 1. Juli 1927 festgesetzt. Die Zahl der Eltern von amerikanischen Staatsbürgern, die außerhalb des Kontingents zugelassen worden sind, registriert im Laufe des am 30. Juni 1927 endenden Steuerjahres, ist in der folgenden Tabelle enthalten, und zwar auf der entgegengesetzten Spalte der aufgeführten Ländernamen. Die Tabelle macht ersichtlich, in welchem Maße das Problem in den verschiedenen Ländern brennend ist, und in welchem Umfang es den in den Vereinigten Staaten ansässigen Ausländern möglich ist, ihre nächsten Anverwandten aus Europa kommen zu lassen, nämlich durch Annahme der amerikanischen Staatsbürgerschaft, die ihnen gestattet, sie im Rahmen des besonderen Kontingents mit der Bezeichnung „Vorzugsquote" nach den Vereinigten Staaten kommen zu lassen: Land Quote Visum- Gesuche Bewilligte Gesuche für Angehörige Angehörige außerhalb der ,,Quote" von amerikanischen Staatsbürgern im Jahre 1927 785 30 000 wahrscheinlich sehr wenige 119 Deutsches Reich .... 51 227 251 159 wahrscheinlich sehr wenige 263 Großbritannien u.Nordirtand 34 007 202 364 keine genauen Angaben, aber wenige 555 473 20 000 genug, um die Vorzugsquote" fast drei Jahre zu decken 262 3 845 300 000 reicht aus, um die ,,Vorzugsquote" 4 —5 Jahre zu decken 7 502 5 982 250 000 genügt, um die „Vorzugsquote" für mehr als 1 Jahr zu decken, in Anbetracht des starken Andranges zur ,, Landwirtschaftlichen Vorzugsquote", deren Wartezeit sich auf 2 Jahre beläuft. 3 474 100 100 000 Die ,.Vorzugsquote" ist für 25 Jahre im vorhinein belegt. 1 195 Ich habe keineswegs die Absicht, das Problem dramatisch darzustellen: Die Trennungen von Auswandererfamilien müssen nicht alle unbedingt Tragödien sein. Ein Saisonwanderer, der seine Familie zurückläßt, um während des Sommers durch Saisonarbeit in einem Nachbarland etwas Geld zu ersparen, befindet sich trotz der Trennung von seiner Familie nicht in einer traurigen Lage. Er kann die Arbeit im Ausland gar nicht anders übernehmen als unter Zurücklassung seiner Familie in der Heimat; er tut es aus freien Stücken und empfindet im allgemeinen diesen Zustand nicht als besonderes Unglück. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß auch innerhalb eines Landes sich vielfach eine Zerreißung der Familie aus dem Handwerk oder dem Beruf des Mannes ergibt. Das passiert alle Tage Tausenden von Leuten, deren Lage man als durchaus normal ansieht, Fälle, die gar nicht den Charakter einer sozialen Ungerechtigkeit tragen. Gar nicht zu reden von den Seeleuten und Geschäftsreisenden, sind oft sogar die 36

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