Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 1-2 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Besucherinnen die Ausbildung in der Schule als eine Vorbereitung für einen anderen Beruf, etwa den der Kindergärtnerin oder Hortnerin, der Krankenschwester oder Säuglingspflegerin betrachtet, da in allen Ausbildungsstätten für diese Berufe eine derartige Vorbildung teils gefordert, teils gewünscht wird. Von denjenigen wiederum, die nach der Absolvierung der Haushaltungsschule in einem hauswirtschaftlichen Beruf verbleiben, erstrebt der größere Teil eine Anstellung in einem Heimbetrieb, und nur vereinzelte suchen Stellungen in einem Privathaushalt. Wir haben es hier also mit einem besonderen Problem der Berufsberatung zu tun. Was erwarten und wünschen die Berufsanwärterinnen von ihrem künftigen Beruf, und welche ihrer Forderungen erfüllt der Hausgehilfinnenberuf? Im allgemeinen kommen die jungen, eben schulentlassenen Mädchen mit einer ziemlich unsicheren Vorstellung von dem zu erwählenden Beruf in die Beratungsstelle. Ers* bei vorsichtiger Herausschälung des Berufswunsches bei der Beratung läßt sich feststellen, daß sie eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Selbständigkeit erstreben, einen sozialen Aufstieg erwarten und die Möglichkeit, sich ihr Leben nach ihren Wünschen und Interessen einzurichten. Vereinzelt finden wir noch besondere Ideale, wie den Wunsch, der Gemeinschaft zu dienen, anderen zu helfen oder einen Beruf zu ergreifen, den man ohne Schwierigkeiten nach der Verheiratung beibehalten kann — der letztgenannte Gesichtspunkt ist häufig von der in beschränkten wirtschaftlichen Verhältnissen lebenden Mutter diktiert — u. a. m. Werden die Mädchen nach den Berufszweigen gefragt, in denen sie Erfüllung der gestellten Erwartung erhoffen, so erhält man die merkwürdigsten Antworten. Der soziale Aufstieg wird im allgemeinen von der Büroarbeit bei Volksschülerinnen, von der Laborantin, wissenschaftlichen Hilfsarbeiterin usw. bei der Lyzeumsschülerin erwartet; die Selbständigkeit vom Handwerk und die persönliche Befriedigving der sozial Eingestellten vom Beruf der Kindergärtnerin oder Wohlfahrtspflegerin. Niemals oder nur in vereinzelten Fällen ist die Hauswirtschaft als Berufswunsch zu verzeichnen. Es soll nicht davon gesprochen werden, daß diese Berufsauffassung ganz falsch, unreif und überaus korrektionsbedürftig ist — niemand wird verkennen, daß gerade hier die wesentlichen Aufgaben der Mädchenberufsberatung liegen —, sondern es sei lediglich die Erscheinung als solche festgestellt. Warum wird trotz der Ueberfüllung der meisten für Mädchen in Frage kommenden Berufszweige die Hauswirtschaft so selten gewählt, und warum wird selbst in den Fällen, in denen ein Berufswunsch in dieser Richtung besteht, die Arbeit in einer Anstalt der in einer Familie vorgezogen? Die Mädchen selbst haben selten die Vorstellung, daß die Hauswirtschaft ein Beruf ist, der den anderen in Betracht kommenden gleichzuachten ist. Hauswirtschaftliche Betätigung erscheint ihnen selbst bei vorhandener Begabung nicht erstrebenswert, und die Angehörigen dieses Berufes 15