Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 1-2 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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den unter diesem Kampfe mit am meisten leidet. Es hat sich nun aber herausgestellt, daß der Zusammenschluß der jüdischen Genossenschaften und speziell der Kreditgenossenschaften zu einer starken Organisation, wie sie die Zentralverbände und auch die zentralen Banken darstellen, doch auf die Dauer seinen Einfluß auf die Regierungen nicht verfehlt. Mit starken organisierten wirtschaftlichen Kräften des Landes muß eben eine einigermaßen wirtschaftlich denkende Regierung rechnen, und so sehen wir, daß neben der Anerkennung der Verbände der jüdischen Kreditgenossenschaften durch die Regierungen der Randstaaten auch eine gewisse Berücksichtigung der ökonomischen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung, die kreditgenossenschaftlich organisiert ist, erreicht werden kann. Im Zusammenhang damit nun steht das Problem der zentralen Banken. Mit der verbandsmäßigen Organisierung der Genossenschaften parallel ging die bankmäßige Zentralisierung. Für die Zwecke des Geldausgleichs, des Clearings, der Verbindung mit dem privaten Kapitalmarkt, und endlich auch, um die Möglichkeit einer finanziellen Inanspruchnahme der staatlichen Kreditinstitutionen zu schaffen, schien es zweckmäßig, zentrale Genossenschaftsbanken zu schaffen. Solche jüdischen zentralen Genossenschaftsbanken sind in Litauen und Polen entstanden, während in Bessarabien. Alt- Rumänien und der Bukowina die Verbände gewisse finanzielle Funktionen, z. B. die des Geldausgleichs, erfüllen und in den anderen Ländern die zentrale Organisation ihren reinen Verbandscharakter behalten hat. Es ist noch zu früh, um ein endgültiges Urteil über die Erfolge der zentralen Banken abgeben zu können. Es ist bekannt, daß auch die Zentralbank der deutschen Kreditgenossenschaftsbewegung (Soergl, Parisiiis) schwere Jahre zu überwinden hatte. Jedenfalls aber läßt sich heute schon sagen, daß es den zentralen Banken gelungen ist, recht erhebliche staatliche Kredite für die Unterstützung des jüdischen Genossenschaftswesens zu mobilisieren. Auch diese kurzen Bemerkungen können natürlich nur als Andeutungen genommen werden, ohne irgendwie etwa die Probleme, vor denen speziell die Kreditgenossenschafts-Bewegung steht, zu erschöpfen. Es wurde oben schon gesagt, wie groß die Bedeutung der Genossenschaftsbewegung und speziell der Kreditgenossenschaften als der am meisten entwickelten Form für die Selbsthilfe der jüdischen Massen ist. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß ohne das Instrument der Kreditgenossenschaften die an sich schon traurige Lage des jüdischen Mittelstandes und der ruinierten Kleinhändler und Kleinhandwerker noch viel ärger wäre. Gegen den ökonomischen Ansturm, dem die jüdische Wirtschaft durch die tiefgehenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen der Nachkriegszeit in Osteuropa ausgesetzt ist, bieten die jüdischen Kreditgenossenschaften den zurzeit besten und wirksamsten Schutz für Handwerker, Kleinhändler und Mittelstand. Darüber hinaus aber 13