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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-07-01 · 1-2 (Juli 1928) · page 12

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
1-2 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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darf, so ist ein mächtiges Wachstum dieser Selbsthilfebewegung in Polen wie in Litauen, in Lettland, in den verschiedenen Teilen Rumäniens wie in den von jüdischen Massen bewohnten Teilen der Tschechoslowakei bemerkbar. 557 Kreditgenossenschaften waren den Zentralverbänden, die in Polen, Litauen, Lettland, in der Ostslowakei und Podkarpatska Rus, in Bessarabien, Alt-Rumänien und der Bukowina existieren, angeschlossen. Darüber hinaus gibt es eine große Anzahl von Kassen, die aus den verschiedensten Gründen diesen Zentralverbänden nicht angehören. Welches sind nun die zentralen Probleme, vor denen die jüdische Kreditgenossenschafts-Bewegung in Osteuropa steht? Vielleicht die wichtigste und schwierigste Frage, die die Bewegung zu lösen hat. ist die Notwendigkeit, in gewissem Sinne über sich selbst hinauszuwachsen. Die heutige tatsächliche Berufsschichtung der jüdischen Bevölkerung wird weder von den jüdischen Soziologen, noch auch von den Wirtschaftlern der Nationen, unter denen die Juden leben, als ein möglicher Dauerzustand hingenommen. Beide Parteien sind sich einig, daß in der ökonomischen Struktur der jüdischen Bevölkerung des Ostens aller Voraussicht nach im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts sich ein großer Umschichtungsprozeß vollziehen wird und vollziehen muß, um wenigstens teilweise einen Ausweg aus der unerträglichen ökonomischen Situation zu suchen, in der die jüdische Bevölkerung sich befindet. Diesen Umschichtungsprozeß nun kann die Kreditffenossenschaftsbewegung an sich nicht direkt fördern. Die Selbsthilfs-Organisation der Genossenschaften kann und wird dem Kleinhändler die Konkurrenz mit den städtischen Konsumgenossenschaften nnd Raiffeisengenossenschaften ihrer Wirtsvölker erleichtern. Sie kann aber teilweise jedenfalls nur als ein Palliativmittel betrachtet werden, das eben der großen Masse der Händler und Kleinhandwerker ermöglichen wird, den auf Generationen anzusetzenden Umschichtungsprozeß allmählich durchzuführen. Die Kreditgenossenschaftsbewegung in ihrer mächtigen Entwicklung kann der Motor sein, der die wirtschaftlichen Kräfte der jüdischen Massen antreibt, und sie hat zum ersten Male in einem großen Umfange das zersplitterte jüdische Kleinkapital zusammengefaßt und zu einer gewissen wirtschaftlichen Machtstellung gebracht. Es ist aber kein Zweifel, daß die bloße Verstärkung der Kreditbasis nicht das genossenschaftliche Endziel darstellen kann, und daß aus der kreditgenossenschaftlichen Bewegung heraus, wie das übrigens tatsächlich auch schon der Fall ist, auch genossenschaftliche Tendenzen anderer, mehr direkt produktiver Art hervorgehen müssen. Es wurde oben davon gesprochen, daß die Kreditgenossenschaftsbewegung dem zersplitterten jüdischen Kleinkapital eine gewisse Machtstellung verliehen hat. Diese Machtstellung ist von besonderer Bedeutung in den neu entstandenen Randstaaten, in denen überall ein gewisser ökonomischer Kampf der „Staatsnationen'* gegen die Minoritäten geführt wird. Es ist klar, daß die jüdische Bevölkerung aus politischen, religiösen und wirtschaftlichen Grün- 12

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